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Lernen von Cort Rudolph

Berufliche Anpassungsfähigkeit bringt einen voran

30. März 2017

Beruflich anpassungsfähig ist, wer vorbereitet, eigenverantwortlich und neugierig seinen Berufsweg verfolgt. Diese Anpassungsfähigkeit geht mit einer heiteren Persönlichkeit einher und sagt Entscheidungskompetenz, Berufung und Leistung vorher. Das ist das Ergebnis einer neuen Übersichtsstudie.

Vorbereitet und aufgeschlossen

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Cort Rudolph von der amerikanischen Saint-Louis-Universität und Forscherkollegen haben untersucht, mit welchen Größen berufliche Anpassungsfähigkeit einhergeht. Dazu fassten sie in einer Metaanalyse 90 bereits veröffentlichte Studien rechnerisch zusammen. Ihre Auswertung findet sich im Journal of Vocational Behavior.

Berufliche Anpassungsfähigkeit („career adaptability“) ist das persönliche Vermögen, gegenwärtige und zukünftige Aufgaben, Wechsel oder Verletzungen bewältigen zu können, die Berufsrollen mit sich bringen. Sie setzt sich aus vier einzelnen Fähigkeiten zusammen:

Die Psychologen prüften, inwiefern die Persönlichkeit die Anpassungsfähigkeit prägte. Außerdem errechneten sie, welche Folgen letztere auf Identität, Leistung und Zufriedenheit hatte. Die Ergebnisse:

Grundlegender Frohsinn

Eine heitere Persönlichkeit bestimmte die Anpassungsfähigkeit. Folgende Eigenschaften prägten am stärksten die berufliche Anpassungsfähigkeit (je höher der Rang, desto größer der Zusammenhang): 1.) Hoffnung und Optimismus. Je zuversichtlicher und hoffnungsvoller jemand war, desto anpassungsfähiger war er auch in beruflicher Hinsicht. 2.) Proaktive Persönlichkeit. Wer von sich aus zupackte und engagiert war, ging auch seinen Berufsweg beherzt an. 3.) Gewissenhaftigkeit und Offenheit. Von den fünf Persönlichkeitseigenschaften Verträglichkeit, Sorgenneigung, Geselligkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit hingen die letzten beiden am stärksten mit der beruflichen Anpassungsfähigkeit zusammen. Sprich, wer sorgfältig arbeitete und wissbegierig war, war auch auf berufliche Veränderungen vorbereitet.

Vorhergesagte Leistung

Anpassungsfähigkeit machte erfolgreicher. Berufliche Anpassungsfähigkeit wirkte sich positiv auf eine ganze Reihe von Erfolgsmarkern aus. Die wichtigsten nach der Größe ihres Zusammenhangs mit der Anpassungsfähigkeit geordnet: 1.) Entscheidungskompetenz. Wer anpassungsfähig war, sah sich eher in der Lage, berufliche Entscheidungen zu treffen und sich die dafür notwendigen Informationen zu beschaffen. 2.) Beschäftigungsfähigkeit. Mit größerer beruflicher Anpassungsfähigkeit nahm auch die Beschäftigungsfähigkeit zu, d.h. Personen stimmten Aussagen zu wie: „Einen ähnlichen Job wie meinen könnte ich in fast jeder Organisation leicht erhalten.“ 3.) Berufung und Identität. Wer auf die Hürden des Berufswegs vorbereitet war, fühlte sich zu seinem Job eher berufen und identifizierte sich mit ihm. 4.) Leistung und Engagement. Je größer die Anpassungsfähigkeit war, desto mehr strengten sich Mitarbeiter an und leisteten entsprechend mehr. 5.) Zufriedenheit. Schließlich zeigte sich: Wer seine berufliche Entwicklung offen anging, war mit der Karriere sowie mit seinem ganzen Leben zufriedener.

Aussagekräftige Anpassungsfähigkeit

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Berufliche Anpassungsfähigkeit war also ein wichtiger Vorhersagefaktor für den Erfolg im Job und die Zufriedenheit. Die Autoren fordern, dass man sie vor allem dann berücksichtigen sollte, wenn die Persönlichkeit in Beziehung zum Erfolg gesetzt wird: „Das ist besonders wichtig, wenn man die Arbeitsleistung als Maß des Anpassungserfolgs betrachtet. Die berufliche Anpassungsfähigkeit hat dafür neben den fünf zentralen Persönlichkeitseigenschaften und sogar neben der Intelligenz sowie der Arbeitserfahrung eine zusätzliche, eigenständige Prognosekraft.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Cort W. Rudolph (Saint Louis University, St. Louis, USA), Kristi N. Lavigne (Saint Louis University, St. Louis, USA) & Hannes Zacher (Institute of Psychology, University of Leipzig). (2017). Career adaptability: A meta-analysis of relationships with measures of adaptivity, adapting responses, and adaptation results. Journal of Vocational Behavior, 98, 17-34.

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