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Lernen von Eva Rothermund

Psychosomatische Sprechstunde im Betrieb kommt an

21. März 2017

Ulmer Wissenschaftler haben eine psychosomatische Sprechstunde in drei Betrieben mit herkömmlichen Sprechstunden in Klinikambulanzen verglichen. Die Betriebssprechstunde wurde angenommen. Außerdem zeigte sich, dass dabei eher Mitarbeiter mit leichteren Symptomen vorsprachen. In den Kliniken gab es mehr Erkrankte mit ausgeprägten Beschwerden.

Betriebsarzt plus Psychotherapie

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Eva Rothermund und ihre Forscherkollegen von der Universitätsklinik Ulm haben untersucht, ob psychosomatische Sprechstunden im Betrieb ankommen. Über ihre Ergebnisse berichten sie in der Fachzeitschrift PLOS ONE. Sie richteten in drei Betrieben – bei einem Autozulieferer, Metallverarbeiter und einem Unternehmen für Sicherheitssysteme – eine psychosomatische Sprechstunde ein. Dabei konnten Beschäftigte bei psychischen Problemen mit dem Betriebsarzt sprechen. Teilweise wurde ein Psychotherapeut hinzugezogen. Die Sprechstunde umfasste den Arztbesuch, eine ausführliche Diagnostik, bei Bedarf eine erste Krisenintervention und eventuell eine Überweisung zur weitergehenden Behandlung. Die Patienten der Betriebssprechstunde wurden mit denen verglichen, die die ambulante Sprechstunde zweier psychosomatischer Kliniken aufsuchten.

Facharbeiter ließen sich beraten

Die Betriebssprechstunde wurde angenommen. Insgesamt sprachen 174 Mitarbeiter, davon 122 Männer, aus den Betrieben mit dem Betriebsarzt und Psychotherapeuten. Sie waren durchschnittlich 45 Jahre alt und ihre Beschwerden dauerten im Schnitt bereits drei Jahre an. In den beiden Kliniken sprachen insgesamt 193 Patienten vor.

Mildere Symptome im Betrieb

Im Betrieb gab es leichtere, in der Klinik schwerere Fälle. Nach der ausführlichen Diagnostik ließen sich vier Patientengruppen mit zunehmenden schwereren psychischen Störungen ausmachen: 1) Gefährdete mit leichter psychischer Beeinträchtigung ohne körperliche Symptome oder Burnout, 2) mit ihrem Leben Unzufriedene, die mittelstarke Angst hatten und niedergeschlagen waren, 3) Beeinträchtigte, die sich nicht gut fühlten, sich nicht in der Lage sahen zu arbeiten und eine klinische Diagnose bekamen und 4) Erkrankte, die unter einer Depression, Angststörung, unter psychisch bedingten Schmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden litten. In die Betriebssprechstunde kamen mehr Gefährdete mit leichteren Symptomen, in die Klinikambulanz mehr Erkrankte mit ausgeprägten Störungen.

Alternative zu Ambulanzen

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Die Autoren schlussfolgern: „Mit unserer Studie konnten wir erstmals nachweisen, dass eine psychosomatische Sprechstunde am Arbeitsplatz gut angenommen wird und damit eine wirkliche Alternative zu bisher etablierten Ambulanzen im bestehenden Versorgungssystem ist. Sie bietet insbesondere auch Betroffenen, die am Anfang einer psychischen Störung stehen, einen besseren Zugang zu Therapien.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Eva Rothermund, Reinhold Kilian, Edit Rottler (University Hospital Ulm), Dorothea Mayer (Daimler AG, Sindelfingen), Michael Hölzer (Sonnenbergklinik, Stuttgart), Monika A. Rieger (University Hospital Tübingen) & Harald Gündel (University Hospital Ulm). (2017). Improving Access to Mental Health Care by Delivering Psychotherapeutic Care in the Workplace: A Cross-Sectional Exploratory Trial. PLOS ONE, 12 (1), e0169559.

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