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Lernen von Uwe Kanning

Bewerber bereiten sich gut vor

14. März 2017

Bewerber bereiten sich gezielt vor und verhalten sich strategisch. Die meisten werten die Homepage des Arbeitgebers aus, nennen erwünschte Stärken im Vorstellungsgespräch, lesen Ratgeber und verstellen sich zum eigenen Vorteil. Das zeigt eine neue Onlinebefragung.

Strategisches Verhalten

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Uwe Kanning von der Hochschule Osnabrück hat untersucht, inwieweit Bewerber „strategisches Verhalten im Auswahlprozess“ zeigen. Das sind Verhaltensweisen, die die Chance erhöhen sollen, den Job zu bekommen. An der Onlinebefragung, deren Ergebnisse in der Januarausgabe der Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie stehen, nahmen 999 Personen teil. Sie gaben an, wie häufig sie bestimmte Verbesserungsstrategien bezogen auf die vier Verfahren Bewerbungsunterlagen, Einstellungsinterview, Tests und Assessment-Center einsetzten und für wie sinnvoll sie diese hielten.

Sinnvolle Webrecherche

Recherche wurde für Bewerbungsunterlagen bevorzugt. Um ihre schriftliche Bewerbung zu erstellen, recherchierten die meisten auf der Homepage des Unternehmens nach Umsatz oder Geschäftsfeldern (86 Prozent), verwendeten ein vorteilhaftes Foto (60 Prozent), luden Unterlagen aus dem Internet herunter und passten sie an (56 Prozent). Die Homepagerecherche (96 Prozent) und das Foto (82 Prozent) hielten die meisten Bewerber auch für sinnvoll. Den deutlichsten Unterschied zwischen Verhalten und Sinn gab es beim Bewerbertraining, das 75 Prozent als sinnvoll einschätzten, aber nur 17 Prozent schon einmal absolviert hatten. Durchschnittlich hatten die Befragten 40 Bewerbungen geschrieben.

Interessant erscheinen

Im Einstellungsinterview wurden häufig Stärken genannt. Das am häufigsten gezeigte Verhalten, um in Bewerbunggesprächen zu punkten, war, Stärken zu nennen, die dem Arbeitgeber wichtig waren (90 Prozent), gefolgt von Homepagerecherche (82 Prozent) und dem Interviewer Fragen stellen, um interessant zu wirken (70 Prozent). Den meisten erschien es auch am sinnvollsten, die Webseite des Arbeitgebers zu lesen (99 Prozent) und Stärken aufzuzählen (98 Prozent). Den größten Unterschied zwischen Verhalten und Einstellung gab es bei Bewerbungstrainings (für 73 Prozent sinnvoll, aber nur von 15 Prozent eingesetzt) und mit Freunden üben (für 73 Prozent sinnvoll, aber nur von 19 Prozent angewendet). Durchschnittlich hatten die Befragten an elf Vorstellungsgesprächen teilgenommen.

Erfahrungen mit Tests

Um sich auf Testverfahren vorzubereiten, wurde gelesen. Auf Leistungstests, die z.B. die Intelligenz maßen, oder auf Persönlichkeitsfragebögen, in denen Eigenschaften erfasst wurden, bereiteten sich die meisten (49 Prozent) vor, indem sie Ratgeberliteratur lasen. Für den Großteil (76 Prozent) war das auch die sinnvollste Maßnahme. Nur 18 Prozent gaben an, Tests zum eigenen Vorteil manipuliert zu haben. Durchschnittlich hatten die Teilnehmer vier Testverfahren durchlaufen.

Fähigkeiten vortäuschen

Ein Drittel verstellte sich im Assessment-Center. Zur Vorbereitung auf Assessment-Center wurden am häufigsten Ratgeber gelesen (53 Prozent) und Freunde gefragt (47 Prozent). Stolze 35 Prozent gaben an, sich schon einmal zum eigenen Vorteil verstellt zu haben, etwa im Rollenspiel kundenorientiert zu wirken, obwohl man eigentlich forsch war. Die Lektüre wurde auch am sinnvollsten angesehen (77 Prozent). Am meisten wichen Sinn und Verhalten beim Bewerbertraining ab. Für 73 Prozent war es eine taugliche Maßnahme, aber nur 16 Prozent nutzten es. Die Befragten hatten durchschnittlich zwei Assessments durchlaufen.

Jeder verhält sich strategisch

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Die meisten Bewerber bereiteten sich also gezielt vor, um einen möglichst guten Eindruck zu hinterlassen. Uwe Kanning schreibt: „Für die Praxis verdeutlicht die vorliegende Studie einstweilen, dass sich nahezu jeder Bewerber in der einen oder anderen Art strategisch verhält. Besonders betroffen sind hiervon die Bewerbungsunterlagen sowie das Einstellungsinterview, während Testverfahren – insbesondere Leistungstests – den Bewerbern offenbar deutlich höhere Hürden stellen.“

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