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Lernen von Michal Biron

Gewohnte Arbeit mindert Kriegstrauma

8. März 2017

Zivilisten hilft es, wenn sie trotz kriegerischer Auseinandersetzung ihrer gewohnten Arbeit nachgehen können. Sie leiden dann nicht so sehr unter den Belastungen und sind weniger traumatisiert. Das haben israelische Forscher herausgefunden, die die Auswirkungen des sogenannten zweiten Libanonkriegs untersuchten.

Betroffene antworteten

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Michal Biron und Carmit Rapaport von der Universität Haifa haben in einer neuen Studie Daten von 294 nordisraelischen Zivilisten ausgewertet, die 2006 vom Krieg zwischen Israel und dem Libanon betroffen waren. Sie gaben damals im Fragebogen an, ob sie weiterhin arbeiten gingen und wie belastend für sie der Krieg war. Die zentralen Ergebnisse, die im International Journal of Stress Management abgedruckt sind:

Weniger belastet

Tägliche Arbeit minderte die Belastung. Wer während der Kämpfe seiner gewohnten Arbeit nachging, litt weniger unter kriegsbedingter Belastung („war-related strain“), stimmte im Fragebogen also seltener der Aussage zu: „Ich habe Schwierigkeiten erlebt, die mit den Umständen zu tun hatten.“ Zivilisten, die nicht mehr arbeiten konnten, waren deutlich belasteter. Die wahrgenommenen Strapazen nahmen auch zu, wenn die Arbeit eingeschränkt war („Es gab Engpässe bei Arbeitsmitteln oder Werkstoffen.“).

Persönliche Notfallvorsorge war hilfreich. Israelis, die für den Notfall vorsorgten, sich etwa mit Essen und Trinken eindeckten („Ich habe zuhause einen sicheren Ort mit Lebensmitteln.“) oder ihre persönlichen Dokumente in einer Notfallmappe bereithielten, profitierten davon. Bei ihnen war der Zusammenhang zwischen täglicher Arbeit und geringerer Belastung besonders groß.

Unfreiwillig entlastet

Verpflichtung zur Arbeit unterstützte. Außerdem zeigte sich, dass – wider Erwarten – unfreiwillige Arbeit half. Wer gezwungen war zu arbeiten, weil er bespielsweise seine Kündigung befürchtete („Ich habe Angst, entlassen zu werden.“), wurde durch die Arbeit ruhiger als jemand, der freiwillig trotz des Raketenbeschusses in die Firma ging. Verpflichtende Tätigkeiten dämmten so die Kriegsbelastung ein.

Hilfreiche Routine

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Bürgern im Kriegsgebiet half es also, wie gewohnt zu arbeiten. Die Forscher schlussfolgern: „Die Ergebnisse legen nahe: Arbeitgeber sollten berücksichtigen, dass eine tägliche Arbeitsroutine kriegsbedingte Belastung bei Mitarbeitern abmildern kann. Daher sollten sie in Absprache mit den Behörden notwendige Schritte ergreifen, um die tägliche Arbeit so, wie sie die Mitarbeiter gewöhnt sind, fortzuführen.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Michal Biron (University of Haifa and Tilburg University) & Carmit Rapaport (University of Haifa). (2016). Work Routine and Psychological Strain During Unsafe Living Circumstances: Toward an Integrative Model [Abstract]. International Journal of Stress Management, 23 (4), 376–399.

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