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Lernen von Simon Haines

Ausgeglichene bewerten neu, wenn es schwierig wird

2. März 2017

Ausgeglichene, die sich gut fühlen, bewerten Dinge nur dann neu, wenn die Situation unkontrollierbar ist. Unausgeglichene, die sich schlecht fühlen, suchen hingegen auch dann nach Erklärungen, wenn sie alles im Griff haben. Zu diesem Ergebnis kommen australische Psychologen.

Zehnmal pro Tag befragt

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Simon Haines von der Australian Catholic University in Melbourne und weitere Wissenschaftler haben geprüft, wann es sich lohnt, Situationen neu einzuschätzen. In der Fachzeitschrift Psychological Science berichten sie darüber. 72 Beschäftigte und Studenten wurden sieben Tage lang jeweils zehnmal pro Tag über ihr Handy aufgefordert, einen kleinen Fragebogen auszufüllen. Dabei gaben sie an, ob sie eine Situation gerade neu bewerteten und ob sie diese kontrollieren konnten. Zu Beginn der Untersuchung schätzten sie zudem ein, ob sie sich eher wohl oder schlecht fühlten.

Denken hing vom Wohlbefinden ab

Ausgeglichene dachten nur in unkontrollierbaren Situationen anders. Personen, die gut gelaunt waren, wenig Stress hatten, mit anderen gerne zusammen und mit sich selbst zufrieden waren, bewerteten nur dann neu („Ich habe die Dinge von einer anderen Perspektive betrachtet.“), wenn die Situation wenig kontrollierbar war („Inwiefern konnten Sie kontrollieren, was geschah?“). Bei Unausgeglichenen, die niedergeschlagen, ängstlich, gestresst und wenig selbstbewusst waren, zeigte sich das umgekehrte Muster. Sie bewerteten vor allem dann neu, wenn sie die Situation im Griff hatten. Ausgeglichene suchten also nur dann nach neuen Erklärungen, wenn ihr Chef beispielsweise ausfällig wurde, was sie nicht beeinflussen konnten. Angespannte grübelten auch, wenn sie etwa einkaufen gehen wollten, was sie gut planen konnten.

Situationsbedingt

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Die Autoren fassen zusammen: „Wie vorhergesagt fanden wir, das Personen mit größerem Wohlbefinden häufiger neu bewerteten, wenn die Umgebung wenig kontrollierbar war, wohingegen jene mit weniger Wohlbefinden das umgekehrte Muster zeigten.“ Für die Wissenschaftler ist das ein Hinweis dafür, dass eine Technik zur Gefühlssteuerung, wie sie die Neubewertung darstellt, nicht per se hilfreich ist. Sie muss immer auf die jeweilige Situation abgestimmt sein.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Simon J. Haines, John Gleeson (Australian Catholic University), Peter Kuppens (KU Leuven), Tom Hollenstein (Queen’s University), Joseph Ciarrochi, Izelle Labuschagne, Caitlin Grace & Peter Koval (Australian Catholic University). (2016). The Wisdom to Know the Difference: Strategy-Situation Fit in Emotion Regulation in Daily Life is Associated with Well-Being [PDF]. Psychological Science, 27 (12), 1651-1659.

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