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Lernen von Carolyn Winslow

Wirkungsloses Dankbarkeitstraining

23. Februar 2017

Mitarbeiter schrieben einen Monat lang zweimal wöchentlich auf, wofür sie dankbar waren. Dieses Dankbarkeitstraining wirkte jedoch nicht. Es verbesserte weder die Stimmung noch machte es zufriedener. Sehr Gewissenhafte und wenig Verträgliche fühlten sich danach sogar schlechter als vorher.

Zwei Trainings vier Wochen lang

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Wohlfühltrainings boomen. Aber wie wirken sie sich bei der Arbeit aus? Das haben Carolyn Winslow von der George Mason University und Kolleginnen jetzt untersucht. In der Onlineausgabe des Journal of Occupation Health Psychology schreiben sie darüber.

Sie trainierten 92 Angestellte, die in Sozialhilfeeinrichtungen arbeiteten. Ein Teil von ihnen erhielt ein Dankbarkeitstraining. Die Teilnehmer sollten einen Monat lang jeweils zweimal pro Woche in ein Onlinetagebuch zwei Dinge schreiben, wofür sie bei der Arbeit dankbar waren. Das konnten gute Beziehungen zu Kollegen sein, Opfer, die Mitarbeiter für einen brachten (z.B. den Urlaub verlegen) oder Freude am Job.

Die anderen Teilnehmer übten in einem Dankbarkeits-Verbundenheits-Training. Einen Monat lang, zweimal wöchentlich notierten sie eine Sache, für die sie dankbar waren und wurden zudem aufgefordert, sich Kollegen anzuschließen und mit ihnen etwas zu unternehmen: „Gehen Sie zu Ihrer Kollegin anstatt ihr zu mailen, und besprechen Sie mit ihr die Punkte.“ Oder: „Verabreden Sie sich mit ihr nach Feierabend.“ Einige Mitarbeiter warteten in einer Kontrollgruppe, bis sie mit den Übungen an der Reihe waren. So konnte getestet werden, ob die beiden Trainings im Vergleich zur Null-Maßnahme wirkten.

Keine oder unerwünschte Wirkung

Die Trainings machten weder glücklicher noch zufriedener. Weder das Dankbarkeitstraining noch die kombinierten Übungen wirkten. Insgesamt nahm die gute Stimmung danach nicht zu, die schlechte nicht ab. Die Trainings machten zudem weder dankbarer noch zufriedener.

Einige fühlten sich danach schlechter. Es zeigte sich, dass das reine Dankbarkeitstraining für einige sogar nachteilig war. Wenig Verträgliche („Ich neige dazu, bei anderen Fehler zu suchen.“) und Gewissenhafte („Ich arbeite meistens sorgfältig.“), die vier Wochen lang ihre Dankbarkeit notierten, berichteten danach über weniger positive Gefühle („Bei meiner Arbeit fühle ich mich begeistert.“) und mehr negative Emotionen („Bei meiner Arbeit fühle ich mich depressiv.“). Für Mitarbeiter, die erst kürzlich eingestellt wurden, erhöhte das Dankbarkeitstraining den wahrgenommenen Stress bei der Arbeit. Das gemischte Dankbarkeits-Verbundenheits-Training hatte keine unerwünschte Wirkung.

Kurz und gleichförmig

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Dankbarkeit verbesserte also nicht das Wohlbefinden, sondern verschlechterte es sogar noch, zumindest für jene, die sehr gewissenhaft oder wenig verträglich waren. Letzteres erklären die Forscher damit, dass Unangepasste über wenige Situationen berichten konnten, in denen sie warmherzig und dankbar waren. Gewissenhafte hätten sich durch die Dankbarkeitsübungen bei der Arbeit gestört gefühlt.

Aber womöglich lag es auch daran, dass die Trainings schlecht konzipiert waren. Einen Monat lang das Gleiche aufzuschreiben, hebt erwartungsgemäß nicht die Stimmung. Außerdem sind vier Wochen nicht sehr lang. Wohlfühltrainings, die das berücksichtigen, abwechslungsreich sind und acht bis zehn Wochen dauern, machen nachweislich glücklicher.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Carolyn J. Winslow, Seth A. Kaplan (George Mason University), Jill C. Bradley-Geist (University of Colorado, Colorado Springs), Alex P. Lindsey, Afra S. Ahmad & Amber K. Hargrove (George Mason University). (2016). An Examination of Two Positive Organizational Interventions: For Whom Do These Interventions Work? [Abstract]. Journal of Occupational Health Psychology, Online First Publication.

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