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Lernen von Christian von Scheve

Arbeitslosigkeit bedrückt

25. August 2016

Arbeitslosigkeit macht bis zu zwei Jahre lang trauriger und ängstlicher. Die Lebenszufriedenheit nimmt dadurch sogar über einen Zeitraum von sechs Jahren ab. Das zeigt die Auswertung einer repräsentativen Langzeitstudie.

Gefühltes und gedankliches Wohlbefinden

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Christian von Scheve, der an der Freien Universität Berlin der Soziologie der Emotionen nachgeht, hat mit Kollegen die gefühlsmäßigen Folgen von Arbeitslosigkeit untersucht. Darüber schreiben sie im Journal of Happiness Studies.

Die Soziologen werteten Daten von 9.297 Personen aus, die von 2007 bis 2014 fürs Sozio-oekonomische Panel befragt wurden, das die gesamte deutsche Bevölkerung abbildet. 539 von ihnen wurden in dieser Zeit arbeitslos. Die Teilnehmer gaben an, wie heiter, ängstlich, ärgerlich oder traurig sie sich in den letzten vier Wochen fühlten (gefühltes Wohlbefinden) und ob sie mit ihrem Leben zufrieden waren (gedankliches Wohlbefinden). Es wurde geprüft, wie sich die Wohlbefindensmaße nach Jobverlust entwickelten.

Zwei Jahre lang schwermütiger

Trauriger und ängstlicher. Die vier Gefühle entwickelten sich wie folgt. Angst: Kurz nach Eintritt der Arbeitslosigkeit wurden die Personen ängstlicher. Die Angst hielt ein Jahr lang an und erreichte danach wieder die Ausgangswerte. Traurigkeit: Die Teilnehmer waren, nachdem sie arbeitslos wurden, zwei Jahre lang niedergeschlagener als vorher. Danach trat auch hier eine Gewöhnung ein und die Werte unterschieden sich nicht mehr von denen in der Zeit mit Job. Freude: Die Fröhlichkeit nahm im ersten Jahr der Erwerbslosigkeit ab. Die Einbußen hielten zwei Jahre lang an, bevor sich die Werte an das vorherige Niveau annäherten. Beim Ärger veränderte sich nichts. Fazit: Das gefühlte Wohlbefinden nahm ab. Arbeitslose wurden bis zu zwei Jahre lang trauriger, ängstlicher und weniger fröhlich. Danach erreichten die Gefühle in etwa das Ausgangsniveau.

Sechs Jahre lang unglücklicher

Gleichbleibend unzufrieden. Die Lebenszufriedenheit, das gedankliche Wohlbefinden, trübte sich durch die Arbeitslosigkeit ein. Die Befragten beantworteten die Frage „Wie zufrieden sind Sie insgesamt mit Ihrem Leben?“ dann deutlich verhaltener als zuvor. Diese Unzufriedenheit hielt über den gesamten Untersuchungszeitraum an. Auch sechs Jahre nach Beginn der Erwerbslosigkeit waren die Befragten immer noch enttäuschter als zuvor.

Lichtblick Ärger

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Arbeitslosigkeit bedrückte also. Sie verschlechterte das gedankliche Wohlbefinden dabei langandauernder als das gefühlte. Die Autoren: „Obwohl Arbeitslosigkeit ganz klar beide Dimensionen beeinträchtigte, traten Langzeitveränderungen nur bei der Lebenszufriedenheit auf.“ Von den Gefühlen hielten am längsten Niedergeschlagenheit und verminderte Freude an.

Weshalb änderte sich beim Ärger nichts? Christian von Scheve und seine Kollegen erklären das so: „Die Arbeit ist einer der Hauptauslöser für Ärger. Weniger dieser Situationen gleichen den Ärger aus, der durch die Arbeitslosigkeit entsteht.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Christian von Scheve, Frederike Esche & Jürgen Schupp (Department of Sociology, Freie Universität Berlin). (2016). The Emotional Timeline of Unemployment: Anticipation, Reaction, and Adaptation [Abstract]. Journal of Happiness Studies, Online First Articles, published online 15 July 2016.

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