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Lernen von Thomas Ellwart

Diversitätsmanagement: „Vergiss das biologische Alter“

27. Mai 2015

In einem Interview sagt der Wirtschaftspsychologe Thomas Ellwart, dass das biologische Alter für die Zusammenarbeit im Unternehmen nicht ausschlaggebend sei. Wichtiger sind Einstellungen oder der Expertenstatus. Diese Tiefenmerkmale sollten daher auch das Diversitätsmanagement bestimmen.

Ältere haben Wissensvorsprung

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Thomas Ellwart ist Professor für Wirtschaftspsychologie an der Universität Trier. Er forscht zu altersgemischten Teams und Wissensaustausch im Unternehmen. In der Mai-Ausgabe der Fachzeitschrift Report Psychologie gab er Susanne Koch und Alenka Tschischka ein Interview zur Diversität unter Mitarbeitern. Die wichtigsten Erkenntnisse daraus:

Das biologische Alter ist wenig aussagekräftig. In einer Studie mit 80 Arbeitsteams fand Thomas Ellwart heraus, dass ein objektiver Index zu Altersunterschieden wenig aussagte. Entscheidend war, wie die Mitarbeiter subjektiv Ältere und Jüngere wahrnahmen. Diese persönliche Alterswahrnehmung hing dann damit zusammen, wie die Angestellten sich mit dem Team identifizierten oder Wissen austauschten.

Ältere wissen mehr, Jüngere sind körperlich fitter. Man kann nicht sagen, dass Ältere oder Jüngere generell leistungsfähiger wären. Ältere haben einen Vorteil, wenn es um wissensbasierte Urteile geht. Jüngere arbeiten besser, wenn viele Informationen verarbeitet werden müssen oder die körperlichen Anforderungen hoch sind.

Emotionale Bindung ist Älteren wichtig

Ältere sind stressresistenter. Ein Forschungsteam um den Organisationspsychologen Guido Hertel zeigte in einer Metaanalyse, in der viele Einzelstudien zusammengefasst wurden, dass Ältere besser mit beruflichen Belastungen umgehen können. Sie sind im Job stressresistenter als Jüngere. Thomas Ellwart weist darauf hin, dass hierfür aber nicht das biologische Alter, sondern die berufliche Erfahrung ausschlaggebend sei.

Ältere haben Emotionsziele, Jüngere Entwicklungsziele. Er spricht die „sozioemotionale Selektionstheorie“ von Laura Carstensen an. Danach sind die Lebensziele davon abhängig, wie viel Lebenszeit jemand für sich selbst noch sieht. Jüngere, die noch viel vor sich haben, verfolgen eher Entwicklungsziele: „Karriere machen, Neues kennenlernen, sich ausprobieren, viele soziale Bindungen“. Ältere, denen weniger Zeit bleibt, haben eher Emotionsziele: „Wissen weitergeben, kleine soziale Netzwerke und tiefe emotionale Beziehungen“. Viele Studien belegen diese Theorie. Sie erklärt zum Beispiel, weshalb Jüngere deutlich karriereorientierter sind als Ältere.

Tiefenmerkmale sind entscheidend

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Klare Ziele fördern Wissensaustausch. Folgende Faktoren begünstigen den Wissensaustausch zwischen älteren und jüngeren Mitarbeitern:

Tiefenmerkmale sollten Diversitätsmanagement bestimmen. Thomas Ellwart warnt davor, dass Oberflächenmerkmale wie Alter, Geschlecht oder Herkunft das Diversitätsmanagement bestimmen. Das kann schnell zu stereotypen Abwertungen führen. Stattdessen sollten Tiefenmerkmale berücksichtigt werden, wenn Teams gebildet werden oder die Zusammenarbeit gestärkt werden soll. Das können Bedürfnisse, Einstellungen, der Expertenstatus oder die Stresswahrnehmung sein. Thomas Ellwart resümiert: „Führungskräften würde ich raten: Vergiss das biologische Alter und frage die Mitarbeiter individuell, was ihnen wichtig ist.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Susanne Koch & Alenka Tschischka (2015). Rost oder Juwel mit Patina? Vorurteile in altersgemischten Teams [Thomas Ellwart im Interview]. Report Psychologie, 40 (5), 198-201.

Verena Klusmann fasst Forschungsergebnisse zu Altersbildern zusammen. Ergebnis: negative Vorstellungen vom Alter machen krank, positive Einstellungen gegenüber dem Alter halten gesund.

Wer lange Jahre Yoga übt oder meditiert, erhält im Alter seine Denkkraft. Das legen Gehirnscans nahe, die ein US-amerikanisches Forscherteam aufgenommen hat.

Ältere sind – entgegen verbreiteter Klischees – motiviert, veränderungsbereit, gesund sowie berufsorientiert und vertrauen anderen, wie eine Metaanalyse zeigt.

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