Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
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Lernen von Ulrich Orth

Das Selbstwertgefühl steigt bis zum Alter von 60 Jahren an

11. März 2015

Das Selbstwertgefühl steigt bis zum Alter von 60 Jahren an und nimmt danach wieder ab. Wer arbeitet, seine Arbeit mag und in einer Beziehung lebt, ist sich seines Werts stärker bewusst. Zu diesem Ergebnis kommen Entwicklungspsychologen, die die Antworten von 2.059 Deutschen auswerteten.

„Ich bin mit mir zufrieden“

Alle Hefte im ÜberblickUlrich Orth ist Professor für Entwicklungspsychologie an der Universität Bern. Zusammen mit seinen Kollegen Jürgen Maes und Manfred Schmitt hat er gerade in der Fachzeitschrift Developmental Psychology eine Studie zur Entwicklung des Selbstwertgefühls veröffentlicht.

Das Selbstwertgefühl (self-esteem) ist der subjektive Wert, den man sich und seiner Person zuschreibt. Gemessen wird es zum Beispiel mit der Selbstwertskala des Soziologen Morris Rosenberg. Beispielaussagen darin: „Alles in allem bin ich mit mir selbst zufrieden.“ Oder: „Ich besitze eine Reihe guter Eigenschaften.“

Die Forscher werteten die Daten von 2.509 Deutschen im Alter von 14 bis 89 Jahren aus, die zwischen 1996 und 2000 dreimal befragt wurden, u.a. zu ihrem Selbstwertgefühl, ihrem Beschäftigungsstatus und ihrer Arbeitszufriedenheit. Ziel war es, eine allgemeine Entwicklungskurve des Selbstwertgefühls zu modellieren und mögliche Einflussfaktoren ausfindig zu machen.

Wer arbeitet, schätzt sich selbst mehr

Spitzenwert im Alter von 60 Jahren. Das Selbstwertgefühl hatte im Lebensverlauf betrachtet einen umgekehrt U-förmigen Verlauf. Ab dem Alter von 14 Jahren nahm es kontinuierlich zu, erreichte um das Alter von 60 Jahren einen Spitzenwert und nahm dann bis zum Alter von 80 Jahren stetig ab. Unterschiedliche Jahrgänge unterschieden sich nicht, was Ausmaß oder Verlauf ihres Selbstwertgefühls anging.

Höheres Selbstwertgefühl bei höherer Arbeitszufriedenheit. Einige Einflussfaktoren wurden festgestellt. So war das Selbstgefühl jener Befragten höher, die:

Wertsteigerung durch Arbeit

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Die Autoren schlussfolgern (S. 257): „Die Ergebnisse sind bedeutsam, weil sie auf Entwicklungsphasen hinweisen, in denen Personen aufgrund ihres niedrigeren Selbstwertgefühls vulnerabler sind (Jugendliche und Ältere) und auf Faktoren, die erfolgreiche versus problematische Verläufe vorhersagen.“

Einer dieser Faktoren ist Arbeit. Wer arbeitet und seine Arbeit schätzt, hält mehr von sich selbst und ist zufriedener. Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zu verschaffen und Ältere für ehrenamtliche Tätigkeiten zu gewinnen, könnte daher ein Ansatz sein, um ihr Selbstwertgefühl zu stärken.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Ulrich Orth (University of Bern), Jürgen Maes (Bundeswehr University Munich) & Manfred Schmitt (University of Koblenz–Landau). (2015). Self-Esteem Development Across the Life Span: A Longitudinal Study With a Large Sample From Germany [Abstract]. Developmental Psychology, 51 (2), 248-259.

Der Themenschwerpunkt „Der Wert der Werte“ zeigt, wie sich Wertvorstellungen auszahlen. Darin werden Vertrauen, Authentizität, solidarische Wertegemeinschaften, Respekt, wertebasierte Selbstführung und Spiritualität ausführlich behandelt.

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