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Lernen von Patrick Garcia

Schreiende Chefs kommen aus streitsüchtigen Familien

28. Januar 2015

Eine Studie zeigt, dass aggressive Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter häufig herabsetzen oder anschreien, streitsüchtige Eltern haben. Feindselige Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen werden offenbar in der Herkunftsfamilie geprägt. Firmen sollten erwägen, aggressive Manager gar nicht erst einzustellen oder sie zu einem Führungskräftetraining zu schicken.

Wutausbrüche und Demütigungen

Alle Hefte im ÜberblickPatrick Garcia ist Managementprofessor an der University of Vermont. Er forscht zu aggressivem Verhalten bei der Arbeit. Zusammen mit Kollegen hat er kürzlich die familiären Ursprünge feindseligen Führungsverhaltens erforscht. Die Ergebnisse wurden im Journal of Applied Psychology abgedruckt.

Mit feindseligem Führungsverhalten („abusive supervision“) sind aggressive verbale und nonverbale Handlungen gemeint, die ein Chef gegenüber Mitarbeitern zeigt (körperliche Übergriffe zählen nicht dazu). Beispiele sind, dass der Vorgesetzte jemanden zum Sündenbock für ein Problem macht, einen Wutausbruch bekommt und herumschreit oder einen Mitarbeiter vor seinen Kollegen herabsetzt und demütigt.

Führungskräfte und ihre Eltern berichteten

Das Forschungsteam um Patrick Garcia nahm an, dass Vorgesetzte diese Aggressionen in ihren Herkunftsfamilien lernten. Sie befragten daher in vier Einzelstudien neben insgesamt 649 Führungskräften und 649 Mitarbeitern (einen je Führungskraft) auch von 134 Chefs einen ihrer Elternteile. Die Führungskräfte und Mitarbeiter kamen von den Philippinen und arbeiteten im Callcenter oder im Einzelhandel.

Die Vorgesetzten sollten angeben, ob sich ihre Eltern früher häufig stritten, und ob sie selbst oft wütend waren oder hasserfüllte Gedanken hatten. Die Mitarbeiter schätzten ein, in welchem Ausmaß sich ihr Vorgesetzter feindselig verhielt. Die Eltern der Chefs kreuzten im Fragebogen an, wie häufig sie aufgebracht waren oder sich zankten, bevor ihr Kind 18 Jahre alt war.

Feindseligkeit im Elternhaus und im Büro

Feindselige Führungskräfte hatten aggressive Eltern. Je mehr familiäre Aggressionen von Führungskräften selbst („Einer von meinen Eltern schrie den anderen häufig an.“) oder deren Eltern geschildert wurden, desto größer war die Feindseligkeit der Chefs:

Aggressives Grübeln hielt die Wut aufrecht. Angestacheltes Grübeln („Ich denke lange an Ereignisse, die mich ärgerten.“) erwies sich als Zündstoff für feindseliges Führungsverhalten. Bei Chefs, die derart brüteten, führten Familiengeschichte und eigene Wut besonders häufig dazu, dass sie ihre Mitarbeiter anschrien oder sie kleinmachten.

Aggressives Grübeln in den Griff bekommen

In ihrer Studie haben die Forscher eine Ursache für aggressives Führungsverhalten ausgemacht: Rollenmodelle in der Herkunftsfamilie. Chefs, deren Eltern sich häufig befehdeten, übernahmen langfristig deren wutentbranntes Verhalten, ihre Gedanken und Gefühle in Konfliktsituationen.

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Was erlernt ist, kann möglicherweise auch wieder verlernt werden. Die Forscher raten daher aggressiv auftretenden Chefs zu einem „Führungskräftetraining, das Vorgesetze darin schult, ihre feindseligen Gedanken und Gefühle in den Griff zu bekommen, und dadurch mit ihren Mitarbeitern auf eine nicht aggressive Weise umzugehen“ (S. 893). Dabei sollte vor allem das aggressive Grübeln angegangen werden, zum Beispiel durch Ablenkung oder Gedankenreisen.

Schließlich sollten Personalabteilungen überlegen, ob sie Manager, die zu Feindseligkeit neigen, gar nicht erst einstellen. Dazu ließen sich Tests einsetzen, die das unbewusste Aggressionspotenzial erfassen.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Patrick Raymund James M. Garcia (University of Vermont), Simon Lloyd D. Restubog (The Australian National University), Christian Kiewitz (University of Dayton), Kristin L. Scott (Clemson University) & Robert L. Tang (De La Salle–College of Saint Benilde). (2014). Roots Run Deep: Investigating Psychological Mechanisms Between History of Family Aggression and Abusive Supervision [Abstract]. Journal of Applied Psychology, 99 (5), 883-897.

Nach abschätzigem Feedback fühlten Personen mehr Aggressionen und Verachtung gegenüber dem Feedbackgeber, arbeiteten aber auch etwas besser.

Mitarbeiter, die ein Feedback zu Ihrem schädigenden Verhalten erhielten, engagierten sich danach mehr.

Servicemitarbeiter, die mit aggressiven Kunden zu tun hatten, berichteten über Gedächtniseinbußen und schlechtere Arbeitsergebnisse.

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