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Lernen von Maike Luhmann

Der arbeitslose Partner macht einen unglücklich

24. Oktober 2014

Wenn ein Partner arbeitslos wird, wird dadurch auch der andere innerhalb einer Beziehung unzufrieden. Die Unzufriedenheit beider nimmt zu, wenn sie einen unterschiedlichen Arbeitsstatus und Kinder haben. Frauen verkraften ihre Arbeitslosigkeit besser als Männer. Das sind die Ergebnisse einer neuen Studie.

Fast 3.000 Paare analysiert

Alle Hefte im Überblick Die Diplompsychologin Maike Luhmann ist Juniorprofessorin an der Universität Köln und Glücksforscherin. Zusammen mit Forscherkollegen ist sie der Frage nachgegangen, wie sich Arbeitslosigkeit bei Lebenspartnern auswirkt. Die Ergebnisse ihrer Studie „Schätzchen, ich wurde gefeuert!“ sind im Journal of Personality and Social Psychology abgedruckt.

Datengrundlage war die deutsche repräsentative Wiederholungsbefragung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Daraus nahmen sie die Daten von insgesamt 2.973 Paaren, die mindestens fünf Jahre zusammenlebten und bei denen mindestens einer arbeitslos wurde.

Dann schauten sie, wie sich die Arbeitslosigkeit auf die Zufriedenheit der Person selbst („Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Leben insgesamt?“) und die des Partners auswirkte. Die Hauptergebnisse:

Partnerschaftliche Unzufriedenheit

Arbeitslosigkeit machte beide Lebenspartner unzufrieden. Im ersten Jahr der Arbeitslosigkeit eines Partners nahm auch die des anderen ab. Der Arbeitslose litt allerdings mehr unter seinem Jobverlust als der nicht arbeitslose Partner. Selbst wenn der Arbeitslose aber wieder Arbeit fand, lagen die Zufriedenheitswerte beider Partner noch ein Jahr lang unter denen vor der Arbeitslosigkeit. Das zeigt, wie einschneidend Arbeitslosigkeit für beide innerhalb einer Beziehung ist.

Der Arbeitslose wurde unzufriedener, wenn der Partner arbeitete. Auch der arbeitende Partner litt unter der Arbeitslosigkeit des anderen. Wenn der Partner hingegen auch schon arbeitslos war, änderte die Arbeitslosigkeit des anderen wenig. Beide waren und blieben dann in hohem Maße unzufrieden.

Starke Frauen

Die Unzufriedenheit nahm zu, wenn das Paar Kinder hatte. Nachdem einer arbeitslos wurde, waren beide Partner mit Kindern im Vergleich zu kinderlosen Paaren unzufriedener.

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Arbeitslose Männer waren unzufriedener als arbeitslose Frauen. Frauen, die arbeitslos wurden, waren etwas zufriedener als Männer mit Jobverlust. Sie konnten mit ihrer Arbeitslosigkeit offensichtlich besser umgehen als Männer. Bei den arbeitenden Partnern gab es keine Geschlechtereffekte.

Unglück steckt an

Die Ergebnisse zeigen, dass einschneidende Erlebnisse einer Person auch die Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung treffen. Die Autoren (S. 177):

„Menschen sind soziale Wesen. Dennoch richtete sich die Forschung zur Veränderung der Lebenszufriedenheit bislang nur auf Einzelpersonen. Unsere Studie zeigt, dass sich die Lebenszufriedenheit in Abhängigkeit von einschneidenden Lebensereignissen des Partners oder anderer Personen innerhalb des sozialen Netzes ändern kann.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Maike Luhmann (University of Illinois at Chicago/Universität Köln), Pola Weiss, Georg Hosoya & Michael Eid (Freie Universität Berlin). (2014). Honey, I got fired! A longitudinal dyadic analysis of the effect of unemployment on life satisfaction in couples [Abstract]. Journal of Personality and Social Psychology, 107, 163-180.

Menschen haben nach einer Arbeitslosigkeit gedanklich und gefühlsmäßig noch Jahre damit zu kämpfen, wie Maike Luhmann in einer Metaanalyse zeigt.

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