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Lernen von Ethan Kross

Du-Perspektive im Selbstgespräch entspannt

25. März 2014

Ein Forscherteam um Ethan Kross hat herausgefunden, dass eine kleine Veränderung beim inwendigen Selbstgespräch entspannt: über sich selbst in der Du-Form statt in der Ich-Form sprechen. Personen, die „du“ statt „ich“ sagten, während sie über sich selbst nachdachten, waren in stressigen Situationen souveräner, überlegter und optimistischer. Die Du-Perspektive einzunehmen, ist also eine einfache, kleine Technik, um mit Stress fertigzuwerden.

Ich oder Du

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Ethan Kross ist Professor für Sozialpsychologie an der Universität Michigan und leitet dort das „Labor für Selbststeuerung und Gefühle.“ Darin untersucht er, wie Menschen sich selbst durch ihren Alltag führen. In einer neuen Studie, die im Journal of Personality and Social Psychology abgedruckt ist, haben er und sein Team untersucht, welche Rolle das Selbstgespräch dabei führt.

Die Annahme der Sozialpsychologen: Wenn man beim stillen, inneren Monolog zu sich selbst nicht „Ich“, sondern „Du“ oder den eigenen Namen sagt, wirkt das selbst-distanzierend und entspannend und man kann dadurch ruhiger handeln.

Alle Hefte im ÜberblickIhre Annahme überprüften sie in sechs Experimenten. Dabei wurden insgesamt 585 Teilnehmer mit einer stressigen Situation konfrontiert (z.B. an eine angstauslösende Begegnung denken oder eine freie Rede vor Unbekannten halten) und aufgefordert, über das Ganze in der Ich- oder Du-Perspektive nachzusinnen (S. 306):

Dieses Nachdenken über sich selbst dauerte eine bis drei Minuten. In einem Experiment schrieben die Teilnehmer ihr Selbstgespräch auf.

Angstfreier und souveräner

Es zeigte sich, dass dieses kurze In-sich-gehen in der Tat eine positive Wirkung hatte, wen die Du-Perspektive eingenommen wurde.

Mehr Distanz zu sich selbst. Wenn sich die Personen im stillen Selbstgespräch mit „du“ oder ihrem eigenen Namen anredeten, konnten sie sich eher von außen betrachten als wenn sie „ich“ zu sich selbst sagten.

Unaufgeregter beim ersten Treffen. Studentinnen sollten sich einem unbekannten Studienkollegen gegenüber möglichst gut darstellen. Wenn sie vorher über dieses Treffen in der Du- statt in der Ich-Form nachdachten, waren sie vor dem Treffen weniger ängstlich. Im Gespräch selbst hielten sie eher Blickkontakt, waren eloquenter und äußerten seltener nonverbales Unbehagen (z.B. durch Nesteln am Haar).

Souveräner beim freien Reden. Studenten, die vor einer freien, unvorbereiteten Rede, über sich selbst in der Du-Form nachdachten, hatten weniger Angst davor als wenn sie in der Ich-Form räsonierten. Beim freien Vortrag zum Thema „Traumjob“ waren erstere selbstsicherer und redeten verständlicher. Im Nachgang grübelten die Teilnehmer unter der Du-Perspektive weniger über ihr Auftreten als unter der Ich-Perspektive.

Herausforderung statt Bedrohung gesehen. Im letzten Experiment sollten Freiberufler über eine Begegnung mit anderen Menschen schreiben, die sie ängstigte, z.B. ein Vorstellungsgespräch, eine Examensprüfung oder von einer Gruppe ausgeschlossen werden. Diejenigen, die sich dabei in der Du-Form schilderten, sahen in der Situation eher eine händelbare Herausforderung („Du sorgst dich zu sehr darum, was andere über dich denken. Konzentrier dich auf dich, dann geht’s dir besser.“). Für diejenigen, die in der Ich-Form berichteten, war sie eher eine unüberwindliche Bedrohung („Ich habe Angst, dass ich den Job nicht bekomme, wenn ich das Vorstellungsgespräch vermassele.“).

Du-Perspektive hilft

Vor stressigen Situationen kurz über sich selbst in der Du- statt in der Ich-Form nachgedacht, führte also dazu, dass man distanzierter, angstfreier, entspannter, überlegter und optimistischer war. Die Autoren dazu (S. 321):

„Wir hängen hin und wieder unserem inneren Monolog nach. Die Ergebnisse zeigen, dass dabei eine kleine Veränderung in der Sprache, mit der Personen über sich selbst nachdenken, ihre Fähigkeit beeinflusst, Gedanken, Gefühle und Verhalten unter sozialem Stress zu steuern, sogar bei Personen, die sozial ängstlich sind.“

Folgende simple Zwiesprache mit sich selbst hilft also dabei, ruhiger zu werden: „Was fühlst du gerade und warum? Du kannst damit umgehen.“ Dabei nicht in die Ich-Form wechseln.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Ethan Kross (University of Michigan, Ann Arbor), Emma Bruehlman-Senecal (University of California, Berkeley),
Jiyoung Park, Aleah Burson, Adrienne Dougherty, Holly Shablack, and Ryan Bremner (University of Michigan, Ann Arbor), Jason Moser (Michigan State University) & Ozlem Ayduk (University of California, Berkeley). (2014). Self-Talk as a Regulatory Mechanism: How You Do It Matters (Abstract). Journal of Personality and Social Psychology, 106 (2), 304–324.

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