Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Alle Hefte hier im Überblick.
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Alle Hefte hier im Überblick. Wirtschaftspsychologie aktuell

Lernen von Jason A. Colquitt

Lob der Gerechtigkeit

29. Mai. 2013

Gerechtigkeit ist ein hohes Gut, auch im Unternehmen, wie eine neue Überblicksstudie von Jason Colquitt und seinem Forschungsteam zeigt. Mitarbeiter, die gerechte Chefs hatten, waren enthusiastischer, sozialer und leistungsfähiger. Daher sollten parteiische, ungerechte Führungskräfte dringend ein Gerechtigkeitstraining absolvieren.

Gerechtigkeitsarten

Jason Colquitt ist studierter Organisationspsychologe und Managementprofessor an der University of Georgia. Er forscht zur Gerechtigkeit in Unternehmen und hat jetzt zusammen mit sechs Forscherkollegen eine Metaanalyse zum Thema vorgelegt, eine große Übersichtsstudie zu bisherigen Ergebnissen bezüglich Gerechtigkeit.

Was ist Gerechtigkeit? Sie ist eine Form des menschlichen Zusammenlebens, bei der die Bedürfnisse aller in gleichem Maße berücksichtigt werden. Natürlich ist das ein Idealzustand, dem man sich in der Praxis aber annähern kann. Folgende Formen der Gerechtigkeit lassen sich unterscheiden:

Die Gerechtigkeit, die ein Mitarbeiter dann wahrnimmt, kann sich dabei auf das Verhalten des Vorgesetzten (Ist er oder sie im Großen und Ganzen gerecht?) oder auf die Organisation als Ganzes (Ist meine Firma gerecht?) beziehen.

Die Forscher haben diese Gerechtigkeitsarten in 493 veröffentlichten Einzelstudien aufgespürt und zusammenfassend überprüft, was Gerechtigkeit bewirkte. Die Ergebnisse sind zwar nicht bahnbrechend, zeigen aber sehr nachdrücklich: Durch Gerechtigkeit im Unternehmen wurden die Mitarbeiter in fast allen Studien produktiver und leistungsfähiger.

Unternehmensmotor Gerechtigkeit

Gerechtigkeit machte leistungsfähiger. Alle vier Gerechtigkeitsarten gingen damit einher, dass Mitarbeiter bessere Arbeitsergebnisse erbrachten und sich mehr für ihre Firma engagierten. Außerdem schädigten sie ihr Unternehmen seltener vorsätzlich.

Gerechtigkeit führte zu einem besseren Miteinander. Der springende Punkt war, dass gerechte Führungskräfte und Unternehmen Mitarbeiter dazu bewegten, mehr zu geben, sich mehr einzubringen. Sie vertrauten ihrem Chef, waren stärker ans Unternehmen gebunden, fühlten sich mehr zu ihrer Arbeit verpflichtet. Das setzte eine positive Spirale eines guten Austauschs und Miteinanders in Gang. Die verbesserte Arbeitsleistung war wiederum eine Folge dieses Miteinanders.

Mehr Gerechtigkeit, bessere Gefühle. Gerechtigkeit bewirkte auch, dass positive Emotionen wie Freude und Glück zunahmen, negative Emotionen wie Ärger oder Wut seltener wurden. Die Gefühle waren ähnlich wie das gute Miteinander ein Bindeglied, das zwischen Gerechtigkeit und Leistung geschaltet war und Mitarbeiter leistungsfähiger machte.

Gerechtigkeitsschule für Führungskräfte

Gerechtigkeit schafft also Werte. Chefs sollten daher noch mehr auf Gerechtigkeit setzen, wie die Autoren betonen:

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Führungskräfte Gerechtigkeit noch stärker bei ihrer Art zu führen berücksichtigen […], neue Führungskräfte sollten hinsichtlich Gerechtigkeitsregeln gezielt trainiert werden.“ (S. 220)

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Jason A. Colquitt (University of Georgia), Brent A. Scott (Michigan State University), Jessica B. Rodell (University of Georgia), David M. Long (College of William & Mary), Cindy P. Zapata (Georgia Institute of Technology), Donald E. Conlon (Michigan State University) & Michael J. Wesson (Texas A&M University). (2013). Justice at the Millennium, a Decade Later: A Meta-Analytic Test of Social Exchange and Affect-Based Perspectives [Abstract]. Journal of Applied Psychology, 98 (2), 199-236.

Kardinaltugenden: Gerechtigkeit, Tapferkeit und Co.

Verhaltenskatalog: Behandle alle Mitarbeiter fair und gerecht.

Zur Ausgabe "Besser managen"

Zum Schnupper-Abo der Wirtschaftspsychologie aktuell

Zur Newsletter-Anmeldung

Zum Archiv