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Lernen von Antje Proske

Zeit für sich selbst

15. Mai 2013

Eine neue Studie zeigt, dass nicht nur Arbeits- und allgemeine Freizeit wichtige Größen sind, um sein Leben in Balance zu halten und Stress vorzubeugen. Ebenso wichtig ist die Zeit für sich selbst: allein sein, über sich selbst nachdenken, das tun, was einem Spaß macht. Wer sich diese Zeit nimmt, bleibt körperlich und geistig gesund.

Persönliche Zeit für die Balance

Die Psychologin Antje Proske ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Psychologie des Lehrens und Lernens der Technischen Uni Dresden. Gemeinsam mit Pia Grisslich und Hermann Körndle hat sie gerade untersucht, wie wichtig die Zeit für sich selbst ist, um gesund und leistungsfähig zu bleiben.

Obwohl es auf der Hand liegt, dass persönliche Zeit zum Rückzug – „personal time“ oder „me time“ – wichtig zur Stressbewältigung ist, wird sie erst seit ein paar Jahren genauer untersucht. Als einer der ersten stellte sie Paul Ransome der Zeit zu arbeiten und der Zeit, die man mit anderen verbringt, gegenüber.

Zeit für sich selbst spielt bei der Work-Life-Balance eine zentrale Rolle. Work-Life-Balance bedeutet, dass man ausreichend Zeit für die Dinge hat, die einem bei der Arbeit oder im Privatleben wichtig sind. Zeit für die eigene Person heißt dabei, seinen Gedanken nachhängen zu können, bestimmte Fähigkeiten zu kultivieren und sich von Arbeits- und Sozialstress abzugrenzen.

Mit mehr Zeit fürs Selbst blieb man gesund

Antje Proske und ihre Kollegen haben 491 Studenten gefragt, wie viel Zeit sie für ihre Arbeit, für andere und für sich selbst hatten. Sie überprüften, ob letztere eine aussagekräftige Kategorie war und ob die Zeit fürs Selbst vorhersagte, ob man gesund blieb. Was kam heraus?

Drei Balance-Faktoren – genug Zeit für die Arbeit, für andere und für sich selbst zu haben – sagten am besten die Gesundheit vorher. Die Befragten litten am seltensten unter körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen, wenn sie ankreuzten, dass sie genügend Zeithatten „für ihre Freunde oder die Familie“, „über sich selbst nachdenken zu können“ oder „für die täglichen Pflichten bei der Arbeit“ (S. 173).

Zeit für sich selbst war grundlegend. Diese Zeit bestimmte zu einem Großteil das Ausmaß, mit dem man gesund blieb. Sie konnte durch Freizeit mit anderen nicht ersetzt werden, war also maßgeblich für die eigene Gesundheitsfürsorge. Allerdings legen die Ergebnisse auch den Schluss nahe, dass Selbst-Zeit allein ohne Arbeits- oder soziale Zeit auch nicht hilfreich ist. Allen drei Dingen sollte man wohl ähnlich häufig nachgehen, um gesund zu bleiben: Arbeit, Miteinander, Alleinsein.

Eine bessere Lebensbalance hatte, wer sich selbst motivieren konnte und an sich selbst glaubte. Selbststeuerungsfähigkeit („Ich kann gut meine Anspannung verringern, wenn man mich nervt.“) und Selbstwertgefühl („Alles in allem bin ich zufrieden mit mir.“) sagten voraus, ob jemand alle drei Zeitkomponenten ausbalancieren konnte. Als Wirkrichtungen ergaben sich damit zusammenfassend:

Die Autoren schlussfolgern (S. 175): „Das dreidimensionale Life-Balance-Modell (Arbeits-, Selbst- und soziale Zeit) sagte Gesundheit besser voraus als das zweidimensionale Balance-Modell (Arbeits- und Freizeit).“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Pia Grisslich, Antje Proske, Hermann Körndle (2012). Beyond Work and Life: What Role Does Time for Oneself Play in Work-Life Balance? [Abstract]. Zeitschrift für Gesundheitspsychologie, 20 (4), 166-177.

Paul Ransome (2007). Conceptualizing boundaries between ‘life’ and ‘work’ [Abstract]. The International Journal of Human Resource Management, 18 (3), 374-386.

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