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Lernen von Ed Diener

Wohlstand macht doch glücklich

26. April 2013

In einer neuen Studie hat ein Forscherteam um Ed Diener herausgefunden, dass Wohlstand doch glücklich macht. In bisherigen Studien wurde bezweifelt, dass der allgemeine Lebensstandard zu mehr Zufriedenheit führt. Die neue Studie widerlegt solche Befunde. Danach führte mehr Wohlstand zu mehr Wohlbefinden. Menschen in reichen Ländern waren glücklicher als in armen. Mehr Geld konnte dabei nur dann in Zufriedenheit umgemünzt werden, wenn der Einzelne es nutzte, um sein Leben spürbar zu verbessern.

Paradoxe Glücksforschung

Ed Diener ist Glücksforscher an der University of Illinois. Er hat zum Beispiel die Satisfaction With Life Scale entwickelt, einen Kurzfragebogen zur Messung der Lebenszufriedenheit, der seit den 1980er Jahren in unzähligen Glücksstudien eingesetzt wurde. Die wichtigste Frage daraus, um sich über sein Lebensglück klar zu werden: „Ich bin mit meinem Leben zufrieden.“ mit sieben möglichen Antwortstufen von „stimme völlig zu“ bis „stimme überhaupt nicht zu.“

Ausgangspunkt seiner aktuellen Studie, die im Journal of Personality and Social Psychology abgedruckt ist, war das Easterlin-Paradox. Das ist ein Befund vom Wirtschaftswissenschaftler Richard Easterlin, der in den 1970er Jahren zu zwei sich widersprechenden Ergebnissen kam. Innerhalb einer Volkswirtschaft waren die Reichen zufriedener als die Armen. Wenn man mehrere Volkswirtschaften zusammen betrachtete, ging mehr Wohlstand allerdings nicht länger mit mehr Zufriedenheit einher. Offensichtlich passten sich Menschen in reichen Ländern an ihren Wohlstand an. Ihr Glück darüber verflog, je länger sie ihn genossen.

Haushaltseinkommen als Messgröße

Ed Diener und seine Forscherkollegen kritisierten jedoch, dass die Maßeinheit für Wohlstand meist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war, also der Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen in einem Land. Das sei aber meist nicht das, was bei der Bevölkerung als Wohlstand ankomme. Besser wäre es, das durchschnittliche Haushaltseinkommen eines Landes als Maß für den Lebensstandard zu nehmen, das angibt, wie viel Geld einem (Mehr-)Personenhaushalt im Jahr zur Verfügung steht.

Die Forscher prüften also das Haushaltseinkommen in 135 Ländern und stellten es der Lebenszufriedenheit gegenüber. Datengrundlage war die Langzeitbefragung „Gallup World Poll (GWP)“, in der zwischen 2005 und 2011 mehr als 800.000 Personen weltweit zu ihrer Lebenssituation befragt wurden. In der Tat zeigte sich, dass mehr Wohlstand glücklicher machte. Die Ergebnisse im Einzelnen:

Ergebnis: Mehr in der Kasse, mehr Wohlbefinden

Mehr Wohlstand ging mit mehr Wohlbefinden einher. Wenn der Wohlstand anstieg – gemessen durch Zuwächse des durchschnittlichen Haushaltseinkommens eines Landes –, wurden auch die Menschen zufriedener. Ihre allgemeine Bewertung des Lebens verbesserte sich, sie waren häufiger fröhlich und seltener traurig.

Drei Faktoren erklärten die Beziehung zwischen Wohlstand und Wohlbefinden. Das waren 1) die materielle Lebenssituation, 2) die Zufriedenheit mit diesem Lebensstandard und 3) der Optimismus bezüglich der weiteren persönlichen Entwicklung. Nur wenn die Menschen ihren finanziellen Zugewinn auch in ein Dach überm Kopf und etwas Luxus umsetzen konnten, damit zufrieden waren und zuversichtlich nach vorne blickten, schlug der Wohlstand aufs allgemeine Wohlbefinden durch. Mit anderen Worten: Geld in der Haushaltskasse allein reichte nicht, man musste es auch sinnvoll anlegen.

Menschen in wohlhabenden Ländern waren glücklicher als Menschen in armen Ländern. Esgab also keine Anpassung an Wohlstand, wie ihn Richard Easterlin fand. Die Gutverdiener in reichen Ländern waren durchweg glücklicher als Gutverdiener in armen Ländern. Was dafür sprach, dass absoluter Wohlstand immer auch mit einem Zugewinn an Lebenszufriedenheit einherging.

Das Bruttoinlandsprodukt war für das Wohlbefinden kein so guter Vorhersagefaktor wie das Haushaltseinkommen. Wenn das Bruttoinlandsprodukt anstieg, bewerteten die meisten zwar ihr Leben insgesamt als besser, waren aber gleichzeitig nicht fröhlicher. Außerdem erklärte ein Anstieg des BIP nur zu 18 Prozent den Anstieg des Haushaltseinkommens, also den Wohlstand, der wirklich bei der Bevölkerung ankam.

Wohlstand für alle

Mehr Wohlstand für alle zahlt sich also aus. Es ist sinnvoll, wenn Programme zur Wirtschaftsförderung aufgelegt werden und wenn Menschen danach streben, mehr Geld zu verdienen. Die Folge dieser wirtschaftlichen Aktivitäten wird mehr Zufriedenheit sein. Der springende Punkt scheint aber zu sein, dass der Einzelne sein Geld so anlegt, dass er spürbar etwas davon hat: in eine bessere Wohnung ziehen, sich etwas gönnen und sich das Leben schöner machen.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Ed Diener (University of Illinois and The Gallup Organization, Omaha, Nebraska), Louis Tay (Singapore Management University) & Shigehiro Oishi (University of Virginia). (2013). Rising Income and the Subjective Well-Being of Nations [Abstract]. Journal of Personality and Social Psychology, 104 (2), 267-276.

Diener, E., Emmons, R. A., Larsen, R. J., & Griffin, S. (1985). The Satisfaction With Life Scale. Journal of Personality Assessment, 49, 71-75.

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