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Lernen von Gerard J. van den Berg

Berufliche Brüche nach dem Tod des eigenen Kindes

10. Dezember 2012

Gerard van den Berg von der Universität Mannheim hat zusammen mit zwei Forscherkollegen Daten schwedischer Eltern ausgewertet, die ihr Kind verloren haben. Viele von ihnen hatten mit beruflichen Brüchen zu kämpfen, die jahrelang anhielten. Im Vergleich zu nicht betroffenen Eltern wurden sie häufiger arbeitslos, verdienten weniger, ließen sich häufiger scheiden und hatten mehr gesundheitliche und psychische Probleme.

Mehrere schwedische Register ausgewertet

Gerard van den Berg ist Professor für Ökonometrie an der Universität Mannheim. Zusammen mit seinen schwedischen Kollegen Petter Lundborg von Universität Lund und Johan Vikström von der Universität Uppsala hat er sich jetzt zusammen die Auswirkungen angeschaut, die der Tod des eigenen Kindes haben kann. Veröffentlicht wurden ihre Ergebnisse in der Reihe „IZA Discussion Paper“ des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA).

Der Tod des eigenen Kindes gehört zu den schwersten Schicksalsschlägen, die ein Mensch haben kann. Die Trauer der Eltern kann ihr ganzes Leben aus den Angeln heben. Wie gravierend dies sein kann, haben die Forscher in Zahlen dargelegt. Sie werteten die Daten von 1.811 Müttern und 1.560 Vätern aus, die zwischen 1993 und 2003 ihr Kind verloren. Insgesamt waren es 1.824 Kinder, die im Alter zwischen einem und 24 Jahren plötzlich starben, z.B. infolge eines schweren Unfalls. Die Wissenschaftler kombinierten dabei die Daten aus mehreren schwedischen Registern:

Schließlich verglichen sie die Zahlen der betroffenen Eltern mit denen einer ähnlichen Vergleichsstichprobe, die keinen Tod zu beklagen hatten.

Ergebnis: jahrelang berufliche und gesundheitliche Probleme

Der Tod des eigenen Kindes hatte für Mütter wie Väter in allen Bereichen gravierende Folgen. Sie wurden im Vergleich zu nicht betroffenen Eltern häufiger arbeitslos, verdienten weniger, ließen sich häufiger scheiden und litten unter gesundheitlichen und psychischen Problemen. Fast alle diese Probleme hielten bis ins siebte Jahr nach dem Tod an:

Arbeitslosigkeit nahm zu. Den höchsten Anstieg der Arbeitslosenrate gab es bei Müttern im dritten Jahr nach dem Tod (um 6,3 Prozentpunkte), bei Vätern im zweiten Jahr (um 4,3 Prozentpunkte). Noch sieben Jahre nach dem Tod des Kindes war die Arbeitslosenrate bei Vätern und Mütter 2,1 Prozentpunkte höher als bei Eltern ohne dieses traumatische Erlebnis.

Einkommen sank. Noch sieben Jahre nach dem Tod des eigenen Kindes verdienten die Väter durchschnittlich 10 Prozent weniger (3.400 Euro) und die Mütter 12 Prozent weniger (2.700 Euro) als im Jahr vor dem Tod.

Scheidungsrisiko nahm zu. Nach dem Tod des Kindes stieg das Risiko, dass die Ehe in die Brüche ging. Für Mütter nahm das Risiko im Vergleich zu nicht betroffenen Eltern im ersten Jahr nach dem Tod um 3,3 Prozentpunkte zu, im siebten Jahr um 5,3 Prozentpunkte. Für Väter stieg das Risiko im ersten Jahr um 2,7 Prozentpunkte an, im siebten Jahr um 3,6 Prozentpunkte.

Mehr gesundheitliche Probleme. Diese wurden anhand des harten Kriteriums eines Krankenhausaufenthaltes gemessen und nahmen bei Müttern im zweiten Jahr nach dem Tod ihres Kindes um 24 Prozent zu, bei Vätern um 12 Prozent im Vergleich zu Eltern ohne Tod eines Kindes. Selbst im siebten Jahr nach dem Tod litten Mütter immer noch häufiger unter gesundheitlichen Problemen als die Vergleichsgruppe.

Mehr psychische Probleme. Diese wurden ebenfalls durch Krankenhausaufenthalte gemessen. Sie nahmen bei Müttern im ersten Jahr nach dem Tod um 150 Prozent zu, bei Vätern um 100 Prozent im Vergleich zu nicht betroffenen Eltern.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2012. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Gerard J. van den Berg, Petter Lundborg & Johan Vikström (2012). The Economics of Grief [PDF]. IZA Discussion Paper Series, No. 7010. Bonn: Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA).

Karrierewechsel nach traumatischen Erfahrungen

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