Lernen von Anne Jansen: Soziale Kompetenz25. April 2012 Die Zürcher Psychologen Anne Jansen, Klaus Melchers und Martin Kleinmann haben den Dauerbrenner soziale Kompetenz untersucht. Sie interviewten dazu 107 Absolventen und Studenten, führten mit ihnen ein Assessment Center durch und ließen sie Fragebogen ausfüllen. Ergebnis: Das Inventar sozialer Kompetenzen sagte Arbeitsleistung so gut voraus wie Assessment Center oder strukturiertes Interview. Außerdem steigerte es die Vorhersageleistung dieser beiden herkömmlichen Verfahren. Mit sozialen Fähigkeiten gut durch den BüroalltagMenschen sind überall. Wir mögen es, mit einigen zusammen zu sein, mit anderen nicht. Letzteren gänzlich zu entkommen, ist unmöglich. Ein Sozialpsychologe meinte einmal mit Blick auf hochmoderne Ballungsräume, dass soziale Isolation eine Fiktion sei. Gott sei Dank. Man macht das Beste daraus, vor allem im Beruf. Und den besten Umgang mit Kollegen haben wohl sozial kompetente Menschen. Was aber ist soziale Kompetenz? Kompetenz ist so etwas wie Können oder Fähigkeit. Und soziale Kompetenz ist die Fähigkeit, in unterschiedlichen Situationen die eigenen Ziele zu verfolgen und, das ist entscheidend, dabei sozial angemessen zu handeln. Sozial angemessen handelt man, wenn die Bedürfnisse und Interessen des anderen berücksichtigt oder die eigenen Verhaltensabsichten gut erklärt werden. Im Büroalltag kann das bedeuten:
Die vier Dimensionen sozialer KompetenzViele sagen, dass diese Eigenschaften erfolgsrelevant seien. Wenige überprüfen diese Annahme. Anne Jansen, Klaus Melchers und Martin Kleinmann, Psychologen der Uni Zürich, haben es getan und berichten darüber in der neuen Ausgabe der Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie. Sie luden 107 Absolventen oder Studenten höherer Semester zu einem Bewerbungstraining ein und überprüften dabei deren Fähigkeiten. Diese füllten die „Kurzform des Inventars sozialer Kompetenzen (ISK)“ mit 33 Fragen aus. Das Inventar wurde von Uwe Peter Kanning entwickelt und misst soziale Kompetenz hinsichtlich der vier Dimensionen:
Daneben durchliefen die Teilnehmer ein Assessment Center. Hierbei sollten sie in Gruppendiskussionen eigene Ergebnisse vertreten oder vor fiktiven Kunden ein Produkt präsentieren. Außerdem beantworteten sie innerhalb eines strukturierten Interviews situative und biographische Fragen. Bei situativen Fragen wird eine Sachlage beschrieben und gefragt: „Was genau würden Sie tun?“ Bei biographischen Fragen wird nach erfolgskritischen Ereignissen geforscht, die die Person selbst erlebt hat und gefragt: „Was genau haben Sie getan?“ Die Antworten werden protokolliert und standardisiert ausgewertet. Schließlich fragte man sich, was das Ganze brächte, und erhob folgerichtig Erfolgsmaße. Dabei schätzten reale Arbeitgeber ein, wie gut die allgemeine Arbeitsleistung der Befragten war. Ebenso schätzten sie deren freiwilliges Arbeitsengagement ein, zu dem sie vertraglich nicht verpflichtet waren, zum Beispiel (S. 91): „Die Mitarbeiterin hilft anderen, wenn diese mit Arbeit überlastet sind.“ Mit zwischenmenschlichen Fähigkeiten lässt sich so einiges bewegenHerauskam, dass soziale Kompetenz die Leistung und das Engagement gut vorhersagten. Von den reinen Zahlen her sogar eine Spur besser als es die herkömmlichen Auswahlverfahren Assessment-Center und strukturiertes Interview taten. Im Verbund mit diesen beiden Werkzeugen verbesserte das Soziale-Kompetenz-Inventar die Vorhersage der Arbeitsleistung sogar um rund acht Prozent. Die Dimensionen soziale Orientierung und Selbststeuerung sagten am besten Leistung und Engagement voraus. Die Autoren beschreiben diese arbeitssamen Zeitgenossen wie folgt (S. 94):
Klingt das nicht märchenhaft gut? Oder doch ziemlich anpasserisch? Fest steht jedenfalls, dass sich mit zwischenmenschlichen Fähigkeiten so einiges bewegen lässt. Es lässt sich damit gut arbeiten und schalten und walten. Die Autoren empfehlen daher auch, beziehungsmäßiges Können bei der Personalauswahl abzufragen. Mit so einem kurzen Fragebogen geht das ganz schnell. Wirtschaftspsychologie-aktuell.de Weiterführende Informationen: Anne Jansen, Klaus G. Melchers, Martin Kleinmann (2012). Der Beitrag sozialer Kompetenz zur Vorhersage beruflicher Leistung: Inkrementelle Validität sozialer Kompetenz gegenüber der Leistung im Assessment Center und im Interview (Abstract). Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 56 (2), 87-97. Zur Ausgabe „Erfolg durch Kompetenz“ Zum Schnupper-Abo der Wirtschaftspsychologie aktuell |
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