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Lernen von Chad van Iddekinge: Berufliche Interessen sagen Berufserfolg voraus

6. Dezember 2011

Eine neue Metaanalyse einer Arbeitsgruppe um Chad Iddekinge zu beruflichen Interessen zeigt, dass diese vier Kriterien des Berufserfolg vorhersagen: Arbeitsleistung, Leistung in Aus- und Weiterbildung, Kündigungsabsicht und vorliegende Kündigung. Fragebögen, die berufliche Interessen messen, können damit auch bei der Personalauswahl eingesetzt werden.

Berufliche Interessen

Die Forschergruppe um Chad von Iddekinge von der Florida State University zeigte unlängst in einer Untersuchung, dass Fragebögen zu beruflichen Interessen auch bei der Personalauswahl eingesetzt werden können. Jetzt haben sie in einer Übersichtsstudie überprüft, wie gut berufliche Interessen Berufserfolg in bisherigen Forschungspublikationen vorhersagten.

Berufliche Interessen sind Vorlieben für bestimmte Tätigkeiten. Entsprechend der verbreiteten Interessenstheorie von John Holland, lassen sich sechs Interessenstypen nach der RIASEC-Struktur ausmachen: realistischer Typ (Realistic, praktische Tätigkeiten), forschender (Investigative, wissenschaftliche Tätigkeiten), künstlerischer (Artistic, kreative Tätigkeiten), sozialer (Social, Tätigkeiten mit Menschen), unternehmerische (Enterprising, Führungstätigkeiten) und konventioneller Typ (Conventional, gut organisierte und Routinetätigkeiten).

Die Metaanalyse

Ihre neue Metaanalyse haben Chad van Iddekinge und seine Kollegen in der aktuellen Ausgabe des Journal of Applied Psychology veröffentlicht. Sie werteten darin die Ergebnisse von 74 Studien mit über 38.000 Teilnehmern aus, die seit 1934 veröffentlicht wurden. Und sie überprüften, inwieweit Interessen vier Erfolgskriterien vorhersagten:

  • Arbeitsleistung
  • Leistung in Aus- und Weiterbildung
  • Kündigungsabsicht und
  • vorliegende Kündigung

Zudem schauten sie, ob die Vorhersagewerte von folgenden weiteren Einflussfaktoren abhängig waren:

  • Berufliche Relevanz. Sind berufliche Interessen für einen Beruf besonders relevant, stärkt das die Vorhersagekraft der Interessen. So könnten für einen Personalmanager soziale Interessen besonders wichtig sein.
  • Art des Fragebogens. Es gibt vier Arten von Interessensskalen: 1) Strukturskalen, die die sechs RIASEC-Interessensbereiche, 2) Bereichsskalen, die Interessen in breiteren Tätigkeitsbereichen messen, 3) Kriteriumsskalen, die mithilfe von Interessen voraussagen, ob eine Person später erfolgreich ist oder nicht und 4) Berufsskalen, die für bestimmte Berufe Interessen erfassen. Die präziseren Kriteriums- und Berufsskalen sollten stärker mit der Arbeitsleistung zusammenhängen als Struktur- und Bereichsskalen.
  • Interessenskennzahl. Mehrere Interessenskennzahlen, die mit verschiedenen Interessensskalen erhoben wurden, sollten die Arbeitsleistung besser vorhersagen als nur eine einzige Kennzahl, wie z.B. ein Kongruenzindex, der die Übereinstimmung zwischen Interessen und Arbeit misst.

Ergebnisse

Berufserfolg. Interessen sagten Berufserfolgsmaße besser voraus als bislang angenommen. Am stärksten hingen Interessen mit Ausbildungsleistung zusammen, gefolgt von Kündigungsabsicht, Kündigung und Arbeitsleistung.

Kennzahlen. Die Zusammenhänge nahmen zu, wenn mehrere Interessenskennzahlen statt nur einer eingesetzt wurden. Interessen sagten dann am besten Arbeitsleistung voraus, gefolgt von Ausbildungsleistung, Kündigung und Kündigungsabsicht.

Relevanz. Wenn eine Interessensskala für den Berufserfolg besonders relevant war – z.B. soziale Interessen für Personalmanager – sagte diese Skala besonders gut die Arbeitsleistung oder die Kündigungsabsicht voraus. Umgekehrt sagten jene Skalen Misserfolge voraus, wenn die damit erhobenen Interessen für den Beruf nicht relevant waren.

Skalenart. Alle Berufserfolgsmaße wurden am besten von Kriteriums- und Berufsskalen vorhergesagt, am zweitbesten von Bereichsskalen, am drittbesten von RIASEC-Strukturskalen.

Objektive Arbeitsleistung. Interessen sagten objektive Arbeitsleistung besser voraus als subjektive, die vom Befragten selbst angegeben wurde.

Kündigung. Interessen sagten freiwillige Kündigung besser voraus als unfreiwillige.

Praxis
Die Ergebnisse zeigen, dass Interessensskalen auch bei der Personalauswahl berücksichtigt werden können und zwar vor allem:

  • wenn sie beruflich relevante statt unspezifische Interessen erfassen
  • wenn mehrere Interessenskennzahlen per Regression verknüpft werden
  • wenn Ausbildungserfolg vorhergesagt werden soll
  • wenn es um das Thema freiwillige Kündigung geht

Die Autoren schlussfolgern: „Die Ergebnisse legen nahe, dass berufliche Interessen bei der Vorhersage von Arbeitsleistung, Aus- und Weiterbildungserfolg und Kündigung vielversprechend sind“ (S. 1184).

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Chad H. Van Iddekinge (Florida State University), Philip L. Roth (Clemson University), Dan J. Putka (Human Resources Research Organization, Alexandria, Virginia) & Stephen E. Lanivich (Florida State University). (2011). Are You Interested? A Meta-Analysis of Relations Between Vocational Interests and Employee Performance and Turnover. Journal of Applied Psychology, Vol. 96, No. 6, 1167–1194.

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