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Lernen von Stefan Eberz: übergreifendes Vertrauen

23. August 2011

Der Diplompsychologe Stefan Eberz hat zusammen mit seinen Kollegen von der Universität Trier einen neuen Fragebogen entwickelt. Dieser misst, inwieweit man übergreifendes Vertrauen am Arbeitsplatz erlebt. Dieses Vertrauenserleben ist, wie sich gezeigt hat, ein guter Stresspuffer. Damit kann der Fragebogen z.B. zur Evaluation betrieblicher Gesundheitsförderung eingesetzt werden.

Vertrauen und Zuversicht erleben

Der neue Fragebogen von Stefan Eberz und seinen Forscherkollegen hat den Titel „Kohärenzerleben im Arbeitskontext (Work-SoC)“. Damit übertragen sie den Begriff „Sense of Coherence (SoC)“, der aus der Gesundheitspsychologie stammt, auf Büro und Werkbank.

Dieses Erleben ist eine Art Vertrauen oder Zuversicht, das man trotz widriger Umstände bei der Arbeit fühlt. Und es speist sich aus drei Quellen: der Verstehbarkeit der eigenen Arbeit, der Handhabbarkeit von Problemen und der Bedeutsamkeit, die man der Arbeit beimisst. Wenn man folgende Aussagen bejahen kann, spürt man also so etwas wie übergreifendes Vertrauen:

  • Ich verstehe die Arbeitsabläufe.
  • Ich weiß, was ich bei Problemen tun muss.
  • Meine Arbeit bedeutet mir etwas.

Stresspuffer Vertrauenserleben

Die Arbeitspsychologen ließen 93 Pfarrsekretärinnen den neuen Test ausfüllen. Ihre Frage dabei: Geht mit höheren Vertrauenswerten eine gewisse Stressresistenz einher? In der Tat zeigte sich, dass die Frauen durch ihre stressigen Telefonate weniger melancholischer wurden, wenn sie hohe Vertrauenswerte hatten.

Außerdem führte erst das Vertrauenserleben zu wirklicher Stressreduktion. Die Sekretärinnen konnten noch so selbstbewusst sein oder von ihrem geistlichen Chef unterstützt werden. Wenn die Zuversicht fehlte, wirkte dies alles nicht entspannend. Anders ausgedrückt: Erst wenn soziale Unterstützung die Mitarbeiterinnen zuversichtlicher werden ließ, konnten sie damit auch ihr Stresserleben eindämmen. Zuversicht oder innere Gelassenheit war damit Dreh- und Angelpunkt der eigenen Stressbekämpfung.

Obwohl einige Fragen des neuen Instruments vielleicht etwas lang geraten sind („Letztendlich werden sich an meinem Arbeitsplatz immer Mittel und Wege finden lassen, um schwierige Situationen zu bewältigen.“, S. 121), eignet sich der Fragebogen gut dazu, den wichtigen Stresspuffer Vertrauenserleben zu untersuchen. Er kann z.B. eingesetzt werden, um die Wirksamkeit betrieblicher Gesundheitsförderung zu testen.

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Weiterführende Informationen:

Stefan Eberz, Ralf Becker, Conny H. Antoni (2011). Kohärenzerleben im Arbeitskontext: Ein nützliches Konstrukt für die ABO-Psychologie? (Abstract). Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, Volume 55, Number 3 / 2011, 115-131.

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