Wirtschaftspsychologie aktuell - Zeitschrift für Personal und Management
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Lernen von Hedva Vinarski-Peretz:
Gute Beziehungen im Büro machen kreativ

6. April 2011

Mehr Kreativität durch gute Freunde an der Arbeit? Eine neue Untersuchung einer israelischen Wissenschaftlerin legt dies nahe. Qualitativ hochwertige Beziehungen zu Kollegen und Mitarbeitern sind danach so etwas wie ein Energiehebel für allgemeines Engagement. Wer gesellig ist und sich gut mit seinem Büronachbarn versteht, wird enthusiastischer und hat weniger Angst, neue, kreative Problemlösungen auszuprobieren.

Dissertation zur Kreativität von Beschäftigten

Hedva Vinarski-Peretz ist Lehrbeauftragte für Politikwissenschaften an den Universitäten von Bar-Ilan und Tel-Aviv. Ihre Dissertation hat den sperrigen Titel: „Qualitativ hochwertige Beziehungen und psychologische Faktoren bei der Arbeit und ihre Auswirkungen auf innovatives Verhalten in Unternehmen der Privatwirtschaft und des öffentlichen Sektors.“ Die wichtigsten Ergebnisse daraus hat sie jetzt mit ihren Kollegen Galy Binyamin und Abraham Carmeli im Journal of Vocational Behavior veröffentlicht.

Über 400 Beschäftigte befragt

In zwei Studien wurden Beschäftigte aus Profit- und Non-Profit-Organisationen jeweils zwei Mal nach ihrer Kreativität am Arbeitsplatz befragt. Zwei Mal deshalb, um über diese zeitversetzte Erhebung ursächliche Wirkungsrichtungen einzelner Faktoren auszumachen. In der ersten Studie füllten 201 Beschäftigte den Fragebogen aus, in der zweiten 218 Beschäftigte.

Bestimmt die Beziehungsqualität die Kreativität?

Vinarski-Peretz vermutete, dass das kreative Engagement einer Person maßgeblich durch deren Beziehungserfahrung am Arbeitsplatz geprägt war. Warum? Weil 1) positive Beziehungen zu Kollegen bewirken, dass man aufmerksamer wird und sich sicherer fühlt. Und 2) diese Aufmerksamkeit und Sicherheit es wahrscheinlicher machen, dass man sich für unkonventionelle Ideen einsetzt oder neue Gedanken und Verhaltensweisen für ungelöste Probleme entdeckt.

Gehaltvolle Arbeitsbeziehungen

Damit Beziehungen zu Kollegen und Mitarbeitern als gehaltvoll erlebt werden, sollten folgende Voraussetzungen erfüllt sein (die im Fragebogen mit entsprechenden Items abgeklopft wurden, S. 295 ff.):

Kreatives Engagement

Kreatives Engagement ist das Bestreben, sich körperlich, geistig und seelisch einzubringen, um neue und nützliche Ideen zu erzeugen und umzusetzen. („Ich versuche, neue Ideen zu Methoden, Abläufen, Verfahrensweisen oder Produkten bei der Arbeit aufzuspüren.“). Dieses Engagement war in den zwei Studien das Erfolgskriterium, das für kreatives Verhalten stand.

Drei Vermittler: Bindung, Ressourcenaktivierung und Selbstwirksamkeit

Zudem wurden folgende Größen untersucht, von denen die Forscherin annahm, dass sie zwischen Beziehungserleben und kreatives Engagement geschaltet waren und die positiven Beziehungseffekte vermittelten:

Gute Beziehungen machen kreativ

In der Tat zeigte sich, dass qualitativ hochwertige Beziehungen die Beschäftigen energetisierten und sie kreativer machten:

Allgemeines Engagement

Die Autoren schlussfolgern in ihrem Beitrag, dass es eine Art allgemeines Engagement (psychological state engagement) gibt. Dieses spiegelt sich in den drei Vermittlern wider: Selbstwirksamkeit, erlebte Bindung und Ressourcenaktivierung. Oder wie die Autoren schreiben: „Psychological state engagement indicates absorption capacity, attachement, and enthusiasm.“ (S. 300).

Das allgemeine Engagement ist die Voraussetzung für ein konkretes, verhaltensbezogenes Engagement (z.B. Kreativität). In beiden Studien wurde gezeigt, dass das allgemeine Engagement die Schaltstelle für kreative Leistung ist. Der Schlüssel dafür sind gute Beziehungen im Büro.

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Hedva Vinarski-Peretz, Galy Binyamin & Abraham Carmeli (2011). Subjective relational experiences and employee innovative behaviors in the workplace (Abstract). Journal of Vocational Behavior, 78, 290–304.

Barbara L. Fredrickson (2001). The role of positive emotions in positive psychology: The broaden-and-build theory of positive emotions (Abstract). The American Psychologist, 56, 218−226.

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