Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
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Fachbuch im Fokus

13. Juli 2017

Coaching oder Therapie? Andrew Buckley, Carole Buckley:
Coaching oder Therapie?
Junfermann Verlag, Paderborn 2016,
290 Seiten, 30 Euro

Kommen Mitarbeiter an ihre Grenzen oder wirkt ihr Verhalten nicht normal, werden sie gern zum „Coach“ geschickt, der das Problem schnell lösen soll. Doch ob ein Coaching im Einzelfall angemessen und wirksam sein kann, ist oft schwer einzuschätzen, die Übergänge in den Bereich Psychotherapie sind fließend. Es ist nicht Aufgabe eines Coachs, psychische Störungen genau zu diagnostizieren, aber er sollte seine Grenzen kennen, damit er professionell beraten und handeln kann. Dafür geben die Autoren Hilfestellung und empfehlen Folgendes:

Vier Tipps für professionelle Beratung

  1. Das Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass Klienten vorübergehend oder dauerhaft psychische Probleme haben können, die sich als Barriere für ein effektives Coaching erweisen;
  2. die Kompetenz aufzubauen, Anzeichen für psychische Probleme zu erkennen;
  3. sich vor dem Coaching mit juristischen, ethischen, praktischen und lebensumstandsbezogenen Aspekten zu befassen;
  4. die Auswahl der besten weiterführenden Wege treffen zu können.

Abgrenzung normal vs. „Unnormal“

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.

Im ersten Teil des Buchs werden die Hintergründe psychischer Probleme beleuchtet. Dabei diskutieren die Autoren, was normales Empfinden und angemessenes Verhalten ist. Dies hilft bei der Abgrenzung zum „Unnormalen“. Was in einem Kontext normal ist, kann im anderen bizarr wirken. Des Weiteren werden Frageschemata vorgestellt, die eine fundierte Entscheidung ermöglichen sollen.

Praxisnahe Anwendung

Im zweiten Teil geht es um die praxisnahe Anwendung. Dafür werden acht realitätsnahe Dialoge analysiert. Zentrale Fragen sind: Was wird vom Klienten gesagt und was nicht? Mit welchen Fragen kann ich Dingen stärker auf den Grund gehen? Im dritten Teil des Buchs werden zur Abrundung gängige psychische Störungen von Depression bis Angststörungen vorgestellt.

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Das Buch richtet sich nicht nur an Coaches. Es ist auch für Führungskräfte und Personaler nützlich, die mit Menschen umgehen, bei denen psychische Störungen vorliegen könnten. Psychische Erkrankungen sind jedoch oft noch tabu. Die Autoren treffen ihre Aussagen umsichtig und möchten vor allem sensibilisieren. Sollte ein Verdacht auf psychische Probleme bestehen, gilt es, diesem mit vorsichtigen Fragen nachzugehen, dann weiterführende Wege einzuschlagen und gegebenenfalls auch über ein Therapie begleitendes Coaching nachzudenken. Das Buch ist eine gelungene Einführung in die durchaus schwierige Thematik.

Rouven Schäfer, Leiter Human Resources Management, DocCheck, Köln

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Im Themenschwerpunkt „Coaching-Trends“ stehen neue Erkenntnisse zu Online-Coaching, Beiträgen der Hirnforschung zu Coaching, Introvisionscoaching sowie Grenzen zwischen Psychotherapie und Coaching.

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