Archiv Nachrichten
aus der Wirtschaftspsychologie
27. November 2008 Ziele bestimmen die Jobsuche Greet
van Hoye von der Abteilung Personalmanagement, Arbeits- und
Organisationspsychologie der Universität Gent und Alan Saks vom Centre
for Industrial Relations and Human Resources der Universität Toronto
haben in der gerade erschienenen Dezember-Ausgabe des Journal of
Vocational Behavior eine Studie zur Frage veröffentlicht, wie Ziele die
Jobsuche beeinflussen. Insgesamt wurden 205 Arbeitssuchende aus
Belgien und Rumänien befragt. Folgende mögliche Ziele der Stellensuche
fanden van Hoye und Saks: - einen neuen Job finden
- sich über mögliche Job-Alternativen informieren
- ein Netzwerk von Experten aufbauen und
- besser vor seinem jetzigen Arbeitgeber argumentieren können.
Als Methoden der Job-Suche ermittelten die Autoren:
- Stellenanzeigen ansehen
- Jobbörsen im Internet aufsuchen
- neue Kontakte knüpfen
- Agenturen zur Arbeitsvermittlung kontaktieren
- potenzielle Arbeitgeber kontaktieren und
- sich initiativ bewerben.
Das
interessanteste Ergebnis: Die Suchziele bestimmen die Auswahl der
Suchmethoden. Wer z.B. einen neuen Job sucht, nutzt alle sechs
Suchmethoden. Wer sich über derzeitige Job-Alternativen informieren
will, sieht sich häufig Stellenanzeigen und Internet-Jobbörsen an. Wer
ein besseres Standing gegenüber seinem jetzigen Arbeitgeber sucht,
kontaktiert vermehrt andere Arbeitgeber. Die Ergebnisse zeigen: Die
Jobsuche ist vor allem ein durch und durch zielgesteuerter Prozess. Zum Abstract. tf – Quelle: Journal of Vocational Behavior
24. November 2008 Immer mehr Mitarbeiter sind mit ihrem Chef unzufrieden 49,3
Prozent der Mitarbeiter in mittelständischen Unternehmen sind mit der
Führungsbeziehung zu ihrem Chef unzufrieden und suchen bereits aktiv
einen neuen Arbeitgeber. So das Ergebnis der Herbststudie des Instituts
für Mittelstandsforschung an der Universität Lüneburg, die in
Kooperation mit der Personalberatung Hanseatisches Personalkontor
Hepeko durchgeführt wurde. Besonders schlecht ist die
Vorgesetzten-Mitarbeiter-Beziehung in kleinen Unternehmen mit weniger
als 50 Mitarbeitern. Die Beziehung zwischen Mitarbeiter und Chef ist
für die Mitarbeiterbindung im Unternehmen wesentlich. Denn bei
mangelhafter Bindung steigen Mitarbeiterfluktuation und Kosten für das
Unternehmen. Die Mitarbeiter empfinden in wirtschaftlich unsicheren
Zeiten auch Arbeitsdruck, Arbeitsplatzunsicherheit und
Konkurrenzsituationen zunehmend als bedrohlich. Eine funktionierende
Führungsbeziehung, die Stress abwehrt und motivierend wirkt, ist damit
noch dringlicher geboten. Mitarbeiter- und Executive Coaching kann hier
ein Ansatzpunkt sein, um belasteten Beziehungen wieder eine
konstruktive Stoßrichtung zu geben. Die kostenlose Studie kann per
E-Mail bestellt werden unter: akwa-asare@hapeko.de Mehr zum Executive Coaching in der Coaching-Ausgabe der Wirtschaftspsychologie aktuell. tf – Quelle: Hapeko21. November 2008 Faktoren, die die Führungswahrnehmung bestimmen In
der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Arbeits- und
Organisationspsychologie geht Birgit Schyns von der University of
Portsmouth der Frage nach, welche Faktoren die Führungswahrnehmung von
Mitarbeitern bestimmen. Diese Frage ist zentral, denn häufig werden die
Mitarbeiter zur Führung ihres Vorgesetzten befragt, um darüber
Schlussfolgerungen über dessen Führungsleistung zu treffen. In ihrem
Überblicksartikel zeigt die Autorin, dass implizite Führungstheorien,
Persönlichkeitsmerkmale und Stimmungen der Mitarbeiter in hohem Maße
die Führungswahrnehmung bestimmen. Wenn sich der Vorgesetzte z.B.
entsprechend den Führungserwartungen seiner Arbeitskollegen verhält,
wird er besser eingeschätzt. In einer anderen Untersuchung zeigte sich,
dass nur extrovertierte Mitarbeiter das Charisma und das
Begeisterungspotenzials des Leaders zu schätzen wissen. Schließlich
bewirkt eine negative Stimmung, dass die Führungsleistung schlechter
bewertet wird. Der Mitarbeiter bewertet also, wenn er die Führung
seines Vorgesetzten einschätzen soll, nicht nur dessen
Führungsverhalten, sondern unterliegt dabei vielen anderen
Einflussfaktoren. Diese können die faktische Führungsleistung
verzerren. Diesen Verzerrungstendenzen kann begegnet werden, indem
neben der Mitarbeiterbefragung noch andere Quellen zur Bewertung des
Führungsverhaltens hinzugezogen werden. Zum Abstract. tf – Quelle: Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie
19. November 2008 Personalsuche mit Headhunter Spiegel
Online startete diese Woche eine fünfteilige Serie über Headhunter
und ihre Strategien bei der Personalsuche. Am Montag zeichnete
Birger Menke in seinem Artikel „High Noon mit dem
Headhunter“ ein Bewerbungsgespräch eines Kandidaten auf. Von einem
Personalberater wird darin ein 28-jähriger Ingenieur interviewt. Er ist
der 17. Kandidat, mit dem sich der Headhunter für die vakante Stelle
bereits getroffen hat. Der Auswahlprozess sieht so aus: 1) eine
Researcherin sucht in Katalogen und Internetportalen nach passenden
Talenten und stellt den Kontakt her, 2) der Headhunter führt das
Interview mit dem Kandidaten durch, 3) der vom Headhunter
vorgeschlagene Kandidat trifft sich ein oder zwei mal mit dem
Auftraggeber des Personalberaters, 4) es kommt zur
Vertragsunterzeichnung. Die Themen der Serie: Zum ersten Beitrag "High Noon mit dem Headhunter". Zum zweiten Beitrag "Die Kopfgeldjäger der Wirtschaft". Zum dritten Beitrag "Wie sich Bewerber die Blöße geben". Zum vierten Beitrag "Vom Gejagten zum Jäger". Zum fünften Beitrag "Beichtgespräch beim Berater". tf – Quelle: Spiegel Online 17. November 2008 Coaching, Karriereberatung und Training Andreas
Heimann hat für manager-magazin.de Christopher Rauen vom Deutschen
Bundesverband Coaching e.V. (DBVC), Christine Öttl, Coach und
Trainerin, und Martin Wehrle, Karriereberater, zu den Unterschieden
zwischen Coaching, Karriereberatung und Training befragt. Training ist
danach Lernen durch Instruktion, Schulung und Wissensvermittlung und
findet vor allem in der Gruppe statt. Aktive Übungselemente
unterstützen diesen Lernprozess. Karriereberatung hat die beruflichen
Probleme, Entscheidungen und Entwicklungsprozesse des Klienten im
Fokus. Oft geht es um die Bewerbung oder Gehaltsverhandlung. Der
Karriereberater konzentriert sich ganz auf die Person und weniger auf
die Firma des Ratsuchenden. Ein einziger Termin kann zur kurzfristigen
Problemlösung ausreichen. Coaching zielt hingegen auf Problemlösungen
ab, die im Einklang mit Unternehmensbelangen und persönlichen Wünschen
stehen. Es geht häufig um komplexe berufliche Probleme, für deren
Bearbeitung mehrere Sitzungen notwendig sind. Dabei wird im Unterschied
zur Karriereberatung aber keine Lösung vom Berater vorgegeben, sondern
vom Klienten selbst erarbeitet. Coaching ist somit „Beratung auf
gleicher Augenhöhe“ oder „Hilfe zur Selbsthilfe“. Zum Beitrag. Mehr zu Beratung und Coaching im Themenheft „Coaching – quo vadis?“. tf – Quelle: manager-magazin.de
14. November 2008 Selbstmanagement im Job Bettina
Wiese, Privatdozentin am Psychologischen Institut der Universität
Zürich, gibt in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für
Personalpsychologie einen Überblick über personalpsychologisch
relevante Ansätze zum Selbstmanagement im Job. Berufliches
Selbstmanagement umfasst das Setzen, die Umsetzung, die
Erfolgskontrolle und die langfristige Anpassung von beruflichen Zielen.
Neben den theoretischen Erklärungsansätzen (Selbstregulation,
Selbstbestimmung, Handlungssteuerung, Lebensentwicklung) wird vor allem
gezeigt, wie wichtig das tägliche Selbstmanagement im Beruf und für die
längerfristige berufliche Entwicklung ist. Auf engagierte Zielsetzung
ist man besonders bei Tätigkeiten angewiesen, bei denen große
Entscheidungs- und Handlungsspielräume bestehen. Beim Management der
eigenen Karriere kommt es vor allem auf drei Bereiche an: 1)
Positionierung durch den Ausbau der eigenen Fähigkeiten oder
Verantwortungsübernahme, 2) Beeinflussung wichtiger Entscheidungsträger
innerhalb und außerhalb der Organisation und 3)
Freizeit-Berufs-Management,
bei dem die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit ausbalanciert und die
entsprechenden Rollen gestärkt werden. Fürs Selbstmanagement wichtige
Gedanken und Gefühle gehen mit objektivem (z.B. Gehaltsentwicklung) und
subjektivem (z.B. Karrierezufriedenheit) Berufserfolg einher. Für die
Personalentwicklung ist entscheidend, dass Selbstmanagementtrainings zu
signifikant besseren Kompetenzen führen, die eigenen Ziele
erfolgreicher umzusetzen. Auch für die Laufbahnberatung ist die
Selbstmanagementperspektive unabdingbar. Nur nach einer gründlichen
Zielklärung können neue Karrierepfade eingeschlagen und eigeninitiativ
verfolgt werden. Zum Abstract. tf – Quelle: Zeitschrift für Personalpsychologie 12. November 2008 Risikofaktoren für Depressivität am Arbeitsplatz Bestimmte
Tätigkeitsmerkmale der Arbeit gehen mit erhöhter Depressivität von
Erwerbstätigen einher. So das Ergebnis einer Studie von Ulrike Rösler
und Mitarbeitern vom Institut für Sozial-, Arbeits- und
Organisationspsychologie der Universität Marburg – vorgestellt in der
aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Arbeits- und
Organisationspsychologie. Die Autoren überprüften dabei zwei klassische
Modelle zur Depressivität am Arbeitsplatz: das
Job-Demand-Controll-Support-Modell (CS) und das
Effort-Reward-Imbalance-Modell (ER). Laut CS-Modell treten depressive
Symptome auf, wenn die Arbeitsintensität hoch, der Handlungsspielraum
gering ist und soziale Unterstützung fehlt. Dem ER-Modell zufolge kommt
es zur Verstimmung, wenn eine Gratifikationskrise vorliegt, d.h., wenn
die Arbeitsleistung nicht mehr hinreichend durch Aufstieg, Gehalt,
Anerkennung oder Wertschätzung belohnt wird. Insgesamt zeigte sich bei
265 Erwerbstätigen wie vorhergesagt, dass Depressivität mit
Arbeitsintensität (r=.33), geringer Arbeitsplatzsicherheit (-.35) und
fehlender sozialer Anerkennung (-.35) signifikant zusammenhing.
Überraschend war, dass auch ein höherer beruflicher Status mit
Depressivität (.22) assoziiert war. Der Handlungsspielraum hatte in der
Untersuchung hingegen keinerlei negative Auswirkungen. Zum Abstract. tf – Quelle: Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie 10. November 2008 Mehr
Investitionen in Bildung gefordert Im Auftrag der Robert Bosch
Stiftung hat die McKinsey Company eine Studie zum zukünftigen Investitionsbedarf
im Bildungssektor vorgelegt. Die Ergebnisse: 2020 werden in Deutschland
voraussichtlich 2,4 Millionen Fachkräfte fehlen, was einem volkswirtschaftlichen
Schaden von 1,2 Billionen Euro entspricht. Daher muss verstärkt in Bildung
investiert werden. Schulleiter sollten bessere Leader werden, um das
Leistungsniveau von Schulen anzuheben. Zudem sind Facharbeiter dazu angehalten,
sich selbst akademisch fortzubilden. Rund acht Prozent der unter 35-jährigen
Facharbeiter sollten bis 2020 ein dreijähriges Studium absolviert haben, um den
Bedarf an 600.000 Akademikern zu decken. Zudem muss das Bildungssystem
erfolgorientierter arbeiten. Notwendig sind Kennzahlen (z.B. die Zahl der
Qualifizierten), die zeigen, wie erfolgreich bildungspolitische Maßnahmen oder
Fort- und Weiterbildungsangebote sind. Zur Studie (PDF). Zur Studie (PDF). tf – Quelle: Robert
Bosch Stiftung
7. November 2008 Arbeitsklima hat sich weiter
verbessert Neben Hardfacts wird für die
Bewertung des Arbeitsmarkts immer wichtiger, wie Arbeitnehmer selbst ihre Arbeit
einschätzen. Der Arbeitsklima-Index der JOB AG für das dritte Quartal 2008 weist
hierbei zum zweiten Mal in Folge einen Stimmungsanstieg aus. Der
Zufriedenheitsindex kletterte auf 7,7 von 10 möglichen Punkten. Die zwei
Hauptfragen lauteten: „Wie wohl fühlen Sie sich derzeit an Ihrem Arbeitsplatz?“
und „Was beeinflusst Ihr Wohlbefinden am Arbeitsplatz derzeit am meisten?“.
Befragt wurden über TNS Emnid insgesamt 1249 Arbeitnehmer aus einer für ganz
Deutschland repräsentativen Stichprobe. Am meisten wird das Wohlbefinden am
Arbeitsplatz vom Arbeitsklima (59%), von der Art der Aufgaben (44%), vom Gehalt
(44%) und von der Sicherheit des Arbeitsplatzes (30%) beeinflusst. Der
Bildungsstatus steht ebenfalls in Beziehung zur Arbeitszufriedenheit. Personen
mit Hochschulabschluss sind deutlich zufriedener (7,9 Punkte) als Personen ohne
Ausbildung (6,7 Punkte). tf – Quelle: JOB AG
5. November 2008 Mehr Auslandsentsendungen von Mitarbeitern Das
Beratungsunternehmen Mercer führt alle drei Jahre eine internationale
Studie zur Auslandsentsendung von Mitarbeitern durch. Die aktuelle
Studie dazu – „Benefits Survey for Expatriates and Globally Mobile
Employees 2008/2009” – ist gerade erschienen. Befragt wurden 243
multinationale Unternehmen mit insgesamt 94 000 im Ausland befindlichen
Mitarbeitern. Gegenüber der letzten Studie von vor drei Jahren hat sich
die Anzahl ins Ausland entsandter Mitarbeiter verdoppelt. 47 Prozent
der Unternehmen setzen einmalige, längerfristige Personalentsendungen
für die Dauer von ein bis fünf Jahren ein. 38 Prozent setzen auf
„globale Nomaden“, die für einen kürzeren Zeitraum in einem Land sind
und danach in ein anderes „weiterziehen“. Wichtig für Expatriates sind
Anreizsysteme in Form von betrieblichen Nebenleistungen. Die meisten
der Unternehmen bieten daher Pensionspläne an, 32 Prozent davon mit
internationalen Personalvereinbaren für weltweit mobile Angestellte.
Ebenfalls die meisten Firmen sichern den Mitarbeitern medizinische
Nebenleistungen, Absicherung der Hinterbliebenen im Todesfall oder
finanzielle Unterstützung bei längerfristiger Erkrankung oder
Behinderung zu. Zum Abstract. Mehr zu Expatriates in der Ausgabe "Going global". tf – Quelle: Mercer
3. November 2008 2/3 aller Beschäftigten wollen ihren Arbeitsplatz wechseln 66
Prozent wollen 2008 ihren Arbeitgeber in den nächsten sechs Monaten
wechseln. Damit ist ein Anstieg von 26 Prozent gegenüber 2007
verzeichnen, so die neue Studie zur Arbeitszufriedenheit des
Karriereportals yourcha, das den Bewerbungsprozess umkehrt und sich
online Firmen bei geeigneten Kandidaten bewerben lässt. Als Gründe für
den Wunsch zu wechseln, werden u.a. schlechtes Arbeitsklima, berufliche
Umorientierung und Unzufriedenheit mit den derzeitigen
Aufgabenbereichen genannt. Die Nennung dieser Gründe ist gegenüber 2007
stark angestiegen. Gegenüber dem Vorjahr geben 28 Prozent mehr das
Arbeitsklima, 21 Prozent mehr die berufliche Umorientierung und gar 36
Prozent mehr die Aufgabenbereiche als Wechselgrund an. Im Umkehrschluss
heißt das: Eine gute Zusammenarbeit unter Kollegen und eine kreative
Arbeitsgestaltung binden die Leistungsträger ans Unternehmen. Für die
Studie von yourcha wurden 390 Arbeitnehmer im Alter von 25 bis 44
Jahren befragt. tf – Quelle: bildungsspiegel.de
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