Archiv Nachrichten
aus der Wirtschaftspsychologie
29. August 2008 Multiple Ziele steigern Kreativität Mehrere
unterschiedliche Ziele, die zudem noch herausfordern, steigern die
kreative Leistung bei Aufgaben am Arbeitsplatz. Zu diesem Ergebnis
kommen Nora Madjar, Managementprofessorin an der University of
Connecticut, und Christina Shalley, Professorin für organisationales
Verhalten und Personalwesen am Georgia Institute of Technology, in der
aktuellen Ausgabe des Journal of Management. Die Testpersonen sollten
einen außergewöhnlichen Betriebsausflug planen und ein neues
Kühlschrankdesign entwickeln – und das alles in nur 30 Minuten. Den
Teilnehmern in der Gruppe mit vielen herausfordernden Zielen wurde z.B.
abverlangt, dass sie möglichst originelle und möglichst viele Ideen pro
Aufgabe liefern sollten. Einer anderen Gruppe wurden keine Ziele
vorgegeben. Die Gruppe mit den ehrgeizigen Zielen hatte
durchschlagenden Erfolg. Ihr Kreativitätsscore war mehr als doppelt so
hoch wie der, den die Gruppe ohne Ziele vorzuweisen hatte. Zum Abstract. tf – Quelle: Journal of Management
28. August 2008 Neue Strukturen bei Testanbieter für den Personalbereich Die
international aufgestellte Verlagsgruppe Pearson hat Harcourt, den
Anbieter für psychologische Tests, übernommen. Pearson bietet damit auf
dem deutschen Markt eine umfangreiche Palette von Intelligenz- und
Persönlichkeitstests zur Eignungsdiagnostik an. Unter der neuen Leitung
ändert sich vor allem, dass die Produkte nun ausschließlich über den
Eigenvertrieb verkauft werden. Das soll laut Auskunft des Unternehmens
eine professionelle und individuelle Beratung für den Anwender sichern.
Zudem erwartet sich Pearson dadurch wertvolles Feedback zur
Weiterentwicklung der Testverfahren. Im Personalbereich bietet Pearson
z.B. folgende Tests an: Arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster
(AVEM), Inventar zur Persönlichkeitsdiagnostik in Situationen (IPS),
Watson-Glaser Critical Thinking Appraisal (WGCTA). Pearson Tests für den Personalbereich. tf – Quelle: Pearsons 25. August 2008 Zukunft der Arbeit Wirtschaftswoche
online hat eine zweiteilige Serie zur Zukunft der Arbeit gestartet. Im
ersten Beitrag berichtet Daniel Rettig über neue Rahmenbedingungen am
Arbeitsplatz. Vor allem die heute überall geforderte Flexibilität
bringt Veränderungen mit sich, etwa wenn feste
Arbeitszeiten in
Frage gestellt werden. Ein weiterer übergreifender Trend ist, dass
Arbeit und Freizeit immer mehr zusammengehen. Mails werden unterwegs
geschrieben, am eigenen Laptop kann man auch bis spät in die
Nacht arbeiten. Andererseits fordern vor allem junge
Fachkräfte,
dass genügend Zeit für die Erholung bleibt. Die Fragmentierung der
Arbeitszeiten kann dabei einer guten Work-Life-Balance entgegenstehen.
Wenn immer mehr zeitlich begrenzte Projekte mit virtuellen Teams
aufgelegt werden, ist zudem Expertentum unabdingbar. Nur Spezialisten
mit Renommee werden für neue Projekte wieder verpflichtet. Zum Beitrag. tf –
Quelle: Wirtschaftswoche online
22. August 2008 Belastende Arbeitszeiten nehmen zu Das
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der
Hans-Böckler-Stiftung kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass 2007
die Beschäftigten in Deutschland häufiger als früher in
Schichtdiensten, nachts oder über 40 Wochenstunden arbeiteten. Seit
2002 stieg die durchschnittliche Wochenarbeitszeit an. Im Vorjahr
leistete fast jeder Dritte durchschnittlich 42 und mehr Stunden ab.
Auch hinsichtlich des Arbeitsrhythmus zeichnen sich Veränderungen ab.
Während in den 1990er Jahren noch 13 Prozent im Schichtdienst oder
nachts arbeiteten, gingen 2007 schon 17 Prozent im Schichtdienst und 16
Prozent nachts ihrer Arbeit nach. Wer nachts und in Wechselschichten
arbeitet, leidet häufiger unter Schlafstörungen, Magen- oder
Herzbeschwerden. Der Trend zu belastenden Arbeitszeiten steht damit der
Forderung entgegen, dass Beschäftigte möglichst lange und gesund einer
Erwerbstätigkeit nachgehen sollen. tf
– Quelle: Hans-Böckler-Stiftung 20. August 2008 Mehr Existenzgründer in Ballungsräumen Gründungsaktivitäten
sind in Ballungsräumen, wie München, Frankfurt am Main,
Köln/Düsseldorf, Berlin und Hamburg, ausgeprägter als in ländlichen
Regionen. Zudem besteht ein Nord-Süd- und ein Ost-West-Gefälle: Mehr
Existenzgründer gibt es im Westen und Süden als im Norden und Osten. Zu
diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und
Berufsforschung (IAB). In der Studie werden potenzielle Gründer,
werdende Gründer und Jungunternehmer unterschieden. Potenzielle Gründer
wollen in den nächsten drei Jahren ein Unternehmen gründen. Werden
Gründer sind gerade aktiv mit ihrer Unternehmensgründung beschäftigt.
Jungunternehmer haben bereits in den letzten 3,5 Jahren ein Unternehmen
gegründet. In Hamburg gibt es die meisten potenziellen Gründer. 10
Prozent planen dort in den nächsten drei Jahren eine Existenzgründung. Zum Kurzbericht. tf – Quelle: IAB 18. August 2008 Verdienstunterschiede zwischen Frauen und
Männern in Großstädten geringer als auf dem Land In
ländlichen Regionen liegt der Verdienst von Frauen und Männern weiter
auseinander als in Großstädten. So das Ergebnis einer Studie des
Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin. Für
diese Studie wurden aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) die
Bruttoverdienststunden von Angestellten der Jahre 2005 und 2006
herangezogen. Auf dem Land verdienen Frauen 33 Prozent weniger als
Männer. In Großstädten ist dieser Unterschied fast um
zwei Drittel
kleiner. Dort ist das Gehalt von Frauen lediglich um 12 Prozent
geringer als das der Männer. Grund für die geringeren Lohnunterschiede
in Städten ist z.B. die dortige bessere Qualifikation von Frauen. Zum Bericht. tf
– Quelle: DIW
15. August 2008 Irrationale Kognitionen am Arbeitsplatz Eine
Arbeitsgruppe um Matthias Spörrle am psychologischen Institut der
Ludwig-Maximilians-Universität in München hat untersucht, inwieweit
irrationale Kognitionen am Arbeitsplatz mit emotionaler Intelligenz und
Lebenszufriedenheit zusammenhängen. Die Ergebnisse sind in der
Zeitschrift für Personalpsychologie 3/08 veröffentlicht. Irrationale
Kognitionen sind Gedanken, die in unschlüssiger Weise eine
Zielerreichung an den eigenen Selbstwert koppeln, verbunden mit einer
niedrigen Frustrationstoleranz, z.B.: „Ich muss unbedingt diese Aufgabe
erfolgreich lösen, andernfalls bin ich ein Versager und könnte das
nicht ertragen“. Rationale Kognitionen trennen hingegen Wunsch und
Realität und tolerieren ein Scheitern, z.B.: „Ich möchte diese Aufgabe
gerne lösen, wenn ich es nicht schaffe, kann ich aber auch damit
leben“. Wie die Forscher zeigen, gehen irrationale Kognitionen mit
geringer emotionaler Intelligenz einher. Sie sind also damit
assoziiert, dass die Betroffenen weniger gut ihre Emotionen wahrnehmen
und regulieren können. Zudem gehen unangemessene Gedanken mit
geringerer Arbeitszufriedenheit, vermindertem Glückserleben und
eingeschränkter Lebenszufriedenheit einher. Zum Abstract. tf
– Quelle: Zeitschrift für Personalpsychologie 13. August 2008 Vertrauen ist wichtig, konkrete Maßnahmen dazu sind selten Die
Mehrheit der Großunternehmen hält Vertrauen für wichtig. 43 Prozent
schätzen Vertrauen als „sehr wichtig“ und 47 Prozent als „wichtig“
hinsichtlich Umsatz und Absatz ein. Für 53 Prozent ist Vertrauen im
Hinblick auf die eigenen Mitarbeiter „sehr wichtig“, für 40 Prozent
„wichtig“. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage von TNS Emnid im
Auftrag von BDO Deutsche Warentreuhand AG. Befragt wurden zwischen
April und Mai 2008 telefonisch insgesamt 100 börsennotierte und große
mittelständische Unternehmen. Zwei Drittel der Unternehmen sind auch
der Meinung, dass die aktuelle Diskussion um mehr Transparenz in der
Wirtschaft dazu führen wird, dass sich in den Unternehmen selbst etwas
ändert. Der angegebenen Wichtigkeit von Vertrauen steht allerdings
vielfach keine entsprechende Unternehmenskultur gegenüber. 73 Prozent
geben an, keine konkreten Pläne für die Vertrauenspflege nach innen
oder außen zu haben. 41 der 100 befragten Unternehmen haben zwar die
Stelle eines Compliance Managers eingerichtet, aber rund ein Drittel
hält diese Position für unnötig. Generell zeigt sich, dass mehr
strukturierte vertrauensbildende Maßnahmen umgesetzt werden, je größer
ein Unternehmen ist. Zur Studie. tf – Quelle: BDO
11. August 2008 Kaufsucht erfolgreich therapiert In
der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung am
Universitätsklinikum Erlangen wurde unter der Leitung von Dr. Astrid
Müller erstmals in Deutschland erfolgreich eine Therapie gegen
exzessives Kaufverhalten erprobt. Zwischen 2003 und 2007 wurden
insgesamt 51 Frauen und 9 Männer im Alter zwischen 20 und 61 Jahren mit
einem Gruppentherapie-Konzept behandelt, das an der University of North
Dakota, USA, entwickelt wurde. Der Therapieerfolg wurde mit
Patientenbefragungen überprüft. Jeder zweite Patient gab an, dass ihm
die Therapie geholfen habe, die Kaufsucht in den Griff zu bekommen. In
Deutschland gelten rund 7 Prozent als stark kaufsuchtgefährdet. Die
Betroffenen berichten von täglichen Kaufattacken oder vom Kauf
spezieller oder nutzloser Artikel. Sie leiden immens unter ihrem
unangemessenen Kaufverhalten. Die exzessiven Einkäufe führen häufig zu
hohen Schulden und oft auch zu Strafverfahren. Dr. Astrid Müller fordert
daher, dass in Deutschland dringend wirksame Behandlungen angeboten und
diese von den Krankenkassen finanziert werden. Zum Universitätsklinikum Erlangen. tf – Quelle: Universitätsklinikum Erlangen
8. August 2008
Neuer Fragebogen: Job-Angst-Skala
Mit der Job-Angst-Skala haben Michael Linden und seine Kollegen –
publiziert in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Arbeits- und
Organisationspsychologie – ein Instrument zur Erfassung
arbeitsbezogener Ängste entwickelt. Die Skala umfasst 70 Items und 14
Subskalen. Empirisch ließen sich fünf Hauptdimensionen nachweisen:
stimulusbezogene Ängste, soziale Ängste, gesundheits- und
körperbezogene Ängste, Insuffizienzerleben und arbeitsplatzbezogene
generalisierte Sorgen. Die Job-Angst-Skala ist reliabel (Cronbachs
alpha = .98) und bezogen auf generelle Ängstlichkeit valide.
tf – Quelle: Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie 4. August 2008
Menschen halten ihr
Versprechen, weil sie dies schätzen
Warum halten Menschen ihr Versprechen? Weil sie dies per se schätzen,
ihnen dieser Wert gleichsam „eingepflanzt“ ist, oder weil sie die
Erwartungen des Gegenübers nicht enttäuschen wollen? Diese beiden
Alternativerklärungen untersuchte Christoph Vanberg vom
Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena – veröffentlicht in der
kommenden Ausgabe der Zeitschrift Econometrica. In einem
spieltheoretischen Experiment entschieden sich die meisten dafür, an
ihrem Versprechen festzuhalten, ohne dass damit Erwartungen beim
Gegenüber impliziert waren. Ein klares Indiz dafür, dass man hält, was
man verspricht, weil man es gerne von sich aus tut.
tf – Quelle: Max-Planck-Institut für Ökonomik
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