Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
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Ärger des Monats

3. Juni 2013

Comeback der Erfolgsgurus?

Ende der 90er Jahre füllten die Motivationstrainer riesige Hallen. Der ehemalige Versicherungsvertreter Bodo Schäfer versprach jedem, in sieben Jahren zum Millionär zu werden. Für den gelernten Speditionskaufmann Jürgen Höller war „alles möglich“. Während Schäfer den smarten Finanzguru gab, hopste Höller zu Discomusik und Lightshow auf der Bühne herum und schürte den kollektiven Größenwahn.

Was schon damals besonders schockierend war: Auch etliche Unternehmen schickten ihre Mitarbeiter zu Polonaise und Feuerlauf. Personalmanager schwärmten öffentlich von den Happenings, mit denen sie ihre Mitarbeiter motivieren wollten.

Lange ging das Motivationstheater nicht gut. Nicht einmal zwei Jahre nach ihrer Gründung war Bodo Schäfers Firma pleite. Der selbsternannte Money-Coach hatte das angewandt, was er auch in seinen Seminaren predigte: Entschuldung durch Konkurs. Auch Jürgen Höllers Firma war bald insolvent. 2003 wurde „Deutschlands teuerster Motivationstrainer“ (Eigenwerbung) unter anderem wegen Meineid, Steuerhinterziehung und Insolvenzverschleppung zu drei Jahren Haft verurteilt und landete im Knast. Im Mai 2004 kam er wegen guter Führung frei. Seitdem bemüht er sich um ein Comeback. Und im September soll es dann wieder soweit sein. Da will Höller bei seinem Motivationstag wieder die Nürnberger Meistersingerhalle mit seinen Fans füllen, unterstützt von Gastrednern wie dem ehemaligen Fußball-Funktionär Reiner Calmund.

Money-Münchhausen Bodo Schäfer darf seine alten Märchen vom schnellen Reichtum bereits im Oktober auf dem „Stuttgarter Wissensforum“ verbreiten, dem mit 3 000 Teilnehmern größten Bildungsevent Deutschlands – behauptet zumindest der Veranstalter Speakers Excellence Deutschland. „Wahrer Wohlstand ist Ihr Geburtsrecht“ heißt sein Thema. „Bodo Schäfer, Unternehmer und Bestsellerautor ist Europas bekanntester Money-Coach. Er ist ein Positionierungsexperte, Finanzexperte, gefragter Gast und Interviewpartner der Medien. Erfahren Sie die entscheidenden Regeln aus erster Hand, mit denen Sie in kurzer Zeit mehr Geld, Erfolg und Lebensqualität gewinnen“, wirbt Speakers Excellence. So als habe es Schäfers Absturz und Konkurs nie gegeben.

Auch die anderen Referenten versprechen wahrhaft hochwertige Bildung wie etwa Michael Rossié mit dem Vortrag „Werden Sie, wie Sie sind! – Sie sind der König“. Wirklich beeindruckend, was der Rhetorik-Trainer im vergangenen Jahr so alles geleistet hat. „20 000 Teilnehmer und Zuhörer, 65 Vorträge, 68 Seminare, 70 Coachings“ schreibt er auf seiner Website. Die Motivationsgurus von heute – so scheint es zumindest – sind inzwischen in der Redneragentur Speakers Excellence versammelt. Allein schon die Beschreibungen der Referenten sind bisweilen haarsträubend. „Nikolaus B. Enkelmann gilt als Koryphäe für die Aktivierung des Unterbewusstseins“, heißt es da. Oder: „Durch seine wertvollen Impulse aus seinen beeindruckenden Erfahrungen als Extremsportler bewirkt Slatco Sterzenbach bei seinen Auftritten einen sensationellen Return on Investment für seine Kunden.“ Schon allein bei seinem Auftritt verdienen seine Zuhörer also mehr als sie für den Besuch der Show ausgegeben haben? Gut, dass der Unsinn keinem auffällt.

Nur was hat das alles mit Bildung zu tun? Und glauben die Unternehmen noch immer, mit ein paar unterhaltsamen Shows ihre Mitarbeiter fit für die immer höheren Anforderungen zu machen? Offenbar. So beeindruckt Jörg Löhr, damals ebenfalls einer der Mitspieler im großen Motivationstheater, noch heute mit einer beeindruckenden Referenzliste: „IBM, Oracle, SAP, Porsche, Deutsche Telekom, PriceWaterhouseCoopers, KPMG, GlaxoSmithKline, ADAC, BASF, Siemens, L'Oréal, BMW, E.ON.“ Und „Die ZEIT“ beschreibt ihn sogar als „einen der erfolgreichsten Erfolgs- und Motivationstrainer der Welt“, heißt es zumindest auf Löhrs Website. Doch dem nicht genug. Der Ex-Handballer ist auch noch Lehrbeauftragter der Universität Augsburg. Dort hat er nicht nur einen Hochseilgarten für die betriebliche Weiterbildung gesponsert, er ist auch Träger der Verdienstmedaille der Universität. Dabei müssten den Verantwortlichen bei Löhrs Aktivitäten doch eigentlich die Haare zu Kopf stehen. Schließlich bietet die Uni seit vielen Jahren ein 20-monatiges MBA-Studium für 28 000 Euro an, um Mitarbeiter fit für einen Managementjob zu machen.

Bei Jörg Löhr geht es das alles viel schneller und billiger. Seit letztem Jahr bietet er einen „MBA in one Day“ an. Die Versprechen sind abstrus wie eh und je: „Geballtes Managementwissen der größten Managementvordenker an nur einem Tag, acht Meter Managementliteratur in weniger als acht Stunden.“ Für 780 Euro plus Mehrwertsteuer ein echtes Schnäppchen. Das Angebot kommt offenbar an. Angeblich waren 2012 immerhin 800 Teilnehmer dabei. „Um sich stets weiterzubilden, war auch eine Delegation der Firma bei der Veranstaltung vertreten“, schreibt eine Baufirma stolz auf ihrer Website. Neben dem Bankenberater und dem Bauleiter habe auch der Geschäftsführer teilgenommen.

Ob es Naivität oder Dummheit ist, solche Spektakel mit fundierter Weiterbildung zu verwechseln, sei dahin gestellt. Aber solange Manager und Personalverantwortliche glauben, eine flotte Show ersetze den oftmals mühsamen Erwerb von Kompetenzen, braucht man sich über den Murks in manchen Unternehmen nicht zu wundern.

Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger,
Chefredakteurin von Wirtschaftspsychologie aktuell,
spürt Absurditäten, Absonderlichkeiten und Fehltritte in der HR-Welt auf


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